Schlag nach bei Lindner

14. Juni 2002, 21:59
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Das von Lindner verantwortete neue Programmschema liegt vor und wird wohl trotz Kritzik abgesegnet werden - Ein Vergleich mit ihrer Bewerbung drängt sich auf ... - Kommentar von Harald Fidler

Wahlprogramme stehen nicht unbedingt im Ruf langlebiger Produkte mit besten Chancen auf Umsetzung. Das gilt nicht nur für politische Parteien, sondern bisweilen auch für nicht ganz unpolitisch bestellte Generäle des ORF.

Das von Monika Lindner zu verantwortende neue Programmschema liegt vor und wird wohl trotz heftiger Kritik von Stiftungsräten kommende Woche abgesegnet, notfalls alleine mit schwarz-blauer Mehrheit. Ein Vergleich mit ihrer Bewerbung drängt sich auf.

Vollmundig tönten die Ankündigungen vom Bundeskanzler abwärts, ein neues ORF-Gesetz müsse die Anstalt und ihr Programm wieder öffentlich-rechtlicher machen. Allein: Als klares Ziel findet sich das wider Erwarten nicht in Lindners Bewerbung. Nur von neuem Schema "unter Einbeziehung des neuen öffentlich-rechtlichen Kernauftrages" ist dort die Rede.

Daran liegt es wohl, dass sich am Schema wenig ändert gegenüber den viel gescholtenen Vorgängern. Neu etwa ein Vorabendmagazin und Kurznachrichten für Junge, eine noch etwas diffuse "Innovationsfläche" am Donnerstagabend, für eine Daily Soap dürfte das Geld nicht reichen. Entwicklung für junge Zielgruppen steht tatsächlich auch in Lindners Programm.

Aufsehen erregen vor allem Lücken: Von radikal weniger "Brennpunkt"-Terminen hört man, wo zuletzt wider blauen Willen über Kärntner Partisanenkampf berichtet wurde. Und vom Aus für die "Kunst-Stücke". Auch dafür gibt es ein Fundstück bei Lindner: "Klagen beim Publikum häufen sich", anspruchsvolle und Kultursendungen liefen zu spät. "Diese Sendeplätze sind zu hinterfragen." Nun allerdings werden die Inhalte der "Kunst-Stücke" auf drei Tage verteilt, mit teils noch späteren Beginnzeiten. So kurzlebig können Programme sein. (DER STANDARD; Printausgabe, 15./16.6.2002)

Von Harald Fidler
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