E-Smog niedriger als erwartet

14. Juni 2002, 20:07
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Studie in Linz beweist, dass Mobiltelefonie-Vollversorgung weiter möglich ist

Wien - Die Ergebnisse einer in Linz gemachten Untersuchung über Elektrosmog sorgen für Diskussion bei Mobiltelefonbetreibern und Umweltpolitikern: Die gemessenen Werte waren mit durchschnittlich 0,39 Milliwatt Leistungsflussdichte pro Quadratmeter sogar unter den von Salzburg postulierten Grenzwerten. "Damit ist bewiesen worden, dass solche niedrigen Vorsorgewerte sehr wohl technisch machbar sind", sagt die Konsumentenschutzsprecherin der Grünen, Gabriele Moser: "Bisher hat die Telekomindustrie ja immer behauptet, dass die Salzburger Werte Wunschdenken sind und dass dann eine Versorgung mit Mobiltelefonie-Diensten nicht mehr möglich ist."

Die Politikerin will nun, dass die Mobilfunkbetreiber dazu angehalten werden, Belastungen durch elektromagnetische Felder möglichst zu minimieren, und will, dass so ein Passus in die Novelle zum Telekommunikationsgesetz (TKG) einfließt. Allgemeine Schutzbestimmungen, wie sie im TKG bereits stehen und die sich auf die - wie man jetzt weiß: hohen - EU-Ratsempfehlungen stützen, sind ihr zu wenig. Moser: "Bisher sind gesundheitsrelevante Überlegungen ja noch nicht richtig in die Novellendiskussion eingeflossen."

In den letzten Monaten wurden im Linzer Bezirk Urfahr an 124 Punkten elektrische und magnetische Felder gemessen, und zwar vom Linzer Amt für Technik zusammen mit dem Forschungsinstitut Seibersdorf. Es war dies die europaweit erste innerstädtische Untersuchung in einem dicht besiedelten Gebiet mit Mobiltelefonie-Vollversorgung.

Überschreitungen

Weitere wichtige Ergebnisse: Bei zehn Prozent der Messungen gab es Überschreitungen der Salzburger Werte bis hin zu 3,4 mW. Außerdem wurde festgestellt, dass elektromagnetische Felder mehrheitlich aus dem GSM-Mobilfunk stammen und dieser Anteil weiter steigt. (Der Rest kommt aus Quellen wie Radio oder Fernsehen).

Für den Umwelthygieniker des Landes Salzburg, Gerd Oberfeld, ist die Untersuchung nur ein erster Schritt. Er meint, dass man auch beginnen müsste, im Innenbereich zu messen, "wo es zu erhöhten gesundheitlichen Problemen kommen kann."

Für die Interessenvertretung der Industrie, das Forum Mobilkommunikation (FMK), sind die niedrigen Linzer Messergebnisse ein Zeichen dafür, dass "die Diskussion in keinem Verhältnis dazu steht, was dann tatsächlich gemessen wird", so Thomas Barmüller vom FMK. Die bestehenden, allgemeinen Schutzbestimmungen des TKG genügen, meint er, weil es in diesen Niedrigbereichen leicht zu Messunschärfen kommen könne. (Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Printausgabe, 15.6.2002)

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