Historischer Le Mans-Hattrick für Audi

16. Juni 2002, 18:32
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Philipp Peter am Stockerl - Biela, Pirro und Kristensen erste Dreifach-Sieger in Folge

Le Mans - Mit einem einmaligen Hattrick hat Audi Motorsport-Geschichte geschrieben und mit einem souveränen Dreifach-Erfolg beim weltberühmten 24-Stunden-Rennen von Le Mans triumphiert. Der deutsche Sportwagen-Pilot Frank Biela und seine Partner Emanuele Pirro (ITA) und Tom Kristensen (DEN) schafften es am Sonntag als erstes Fahrer-Trio überhaupt, den legendären Langstrecken-Klassiker in Frankreich zum dritten Mal in Folge zu gewinnen.

Audi wurde seiner Favoritenrolle bei der 70. Auflage des traditionsreichen Rennens gerecht, feierte vor 220.000 Zuschauern den dritten Mehrfach-Erfolg in drei Jahren und darf den Pokal damit endgültig behalten. Zweite wurden Johnny Herbert/Rinaldo Capello/Christian Pescatori und auch für Österreich gab es neuerlich einen schönen Erfolg.

Pech für Peter und Co. in der Aufwärmrunde

Der Wiener Philipp Peter wurde im dritten Audi Dritter und fuhr damit auf das Siegespodest, obwohl das Newcomer-Trio Peter/Michael Krumm/Marco Werner schon in der Anfangsphase großes Pech gehabt hatte. Bereits in der Aufwärmrunde war am Samstag mit Krumm am Steuer ein Reifendefekt aufgetreten, der den R8 noch vor dem Start in die Box zwang. Nach 24 Stunden steuerte aber Peter den Audi gemeinsam mit seinen Markenkollegen praktisch Seite an Seite über die Ziellinie.

Auf Platz vier kam der ebenfalls mit einem Audi-Motor ausgestattete Bentley und damit ein weiteres Auto aus dem VW-Konzern, das aber bereits mit zehn Runden Rückstand auf den drittplatzierten Audi .

Biela ohne Worte

"Es ist unglaublich", jubelte Biela. "Der erste Sieg war toll, der zweite fantastisch", für den dritten Erfolg fiel dem 37-Jährigen im ersten Überschwang kein Superlativ mehr ein. Der deutsche Tourenwagen-Meister von 1991 und seine Kollegen siegten am Sonntagnachmittag nach 375 Runden und 5.205 km in der schwülen Sommerhitze. Der Rekord von Helmut Marko, der 1971 mit einem Porsche 917 nach 5.335,3 km und einem Schnitt von 222,3 km/h gewonnen hatte, blieb wie erwartet nach den zahlreichen Streckenumbauten unangetastet.

"Ich bin hellauf begeistert", meinte VW-Vorstandsvorsitzender Bernd Pischetsrieder. Er hatte aber offenbar bis zum Schluss gebangt: "Bei einem 24-Stunden-Rennen kann es noch so gut laufen - man kann sich nie sicher sein, dass es so gut endet, wie es begonnen hat." Der österreichische Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich lobte: "Alle Fahrer haben einen tollen Job gemacht."

Audi und F1-Gerüchte

Allgemein wird spekuliert, dass sich Audi nach dem Hattrick aus Le Mans zurück zieht, obwohl Pischetsrieder erklärte, dass "noch keine Entscheidung" gefallen sei. Immer wieder wird das Unternehmen mit der Formel 1 in Verbindung gebracht. Nach wie vor sei die "Königsklasse" aber kein Thema für Audi, heißt es. Die Ingolstädter sind erst der fünfte Autobauer, der einen Hattrick beim berühmtesten Sportwagen-Rennen feiern durfte. Bisher war dies Ferrari, Porsche, Bentley und Matra geglückt. Audi hatte 1999 in Le Mans debütiert und auf Anhieb die Plätze drei und vier belegt. Danach gab es nur noch souveräne Siege. 2000 ein Dreifach-, 2001 ein Doppel-Erfolg.

Auch in diesem Jahr beherrschten die Ingolstädter das Rennen auf dem umgebauten und nun 13,88 km langen Kurs. Fast immer waren alle drei Werks-Audi vorne. Zunächst hatte Herbert die Führung übernommen. Ab Samstagabend fuhren Biela, Pirro und Kristensen an der Spitze. Auch einige Missgeschicke und Defekte konnten den Erfolg nicht gefährden. Zunächst hatte Kristensen bei einer Stop-and-Go-Strafe Zeit verloren. Am Sonntag mussten beim Audi mit der Nummer 1 Anlasser und Batterie gewechselt werden. Reifenschäden belasteten das Team zusätzlich.

Lechner jun. Klassensieger

Neben Philipp Peters drittem Gesamtrang gelang auch Walter Lechner Jr. ein Riesenerfolg. Der 19. Endrang war gleichbedeutend mit dem Sieg in der Klasse LMP 675 Sportprototypen. Mit seinen erst 20 Jahren ist Lechner damit einer der jüngsten Le Mans-Klassensieger Sieger überhaupt.

Obwohl der Reynard des Salzburgers insgesamt an die zwei Stunden an der Box stand, reichte wegen zahlreicher Ausfälle der Konkurrenz der 19. Endplatz für den Klassensieg. "Sensationell. Ich kann es gar nicht fassen", strahlte Lechner, der insgesamt 7,5 Stunden am Steuer gesessen war. "Ich habe keinen Fehler gemacht und das Vertrauen das von VW Motorsport in mich gesetzt hat, gerechtfertigt. Beim ersten Antreten gleich die Klasse zu gewinnen, ist mehr als ich mir erträumen durfte." (APA/dpa/Reuters)

Endklassement der 70. Auflage des 24-Stunden-Rennens in Le Mans:

  • 1. Frank Biela/Emanuele Pirro/Tom Kristensen (GER/ITA/DEN) Audi 375 Rd.
  • 2. Johnny Herbert/Rinaldo Capello/Christian Pescatori (GBR/ITA) Audi + 1 Runde
  • 3. Michael Krumm/Philipp Peter/Marco Werner (GER/AUT/GER) Audi + 3 Rdn.
  • 4. Andy Wallace/Butch Leitzinger/Eric Van der Poele (GBR/USA/BEL) Bentley 13
  • 5. Olivier Beretta/Pedro Lamy/Erik Comas (MON/POR/FRA) Oreca 16
  • 6. Stephane Sarrazin/Franck Montagny/Nicolas Minassian (FRA) Oreca 16
  • 7. Seiji Ara/Yannick Dalmas/Hiroki Katoh (JPN/FRA/JPN) Audi-Japan 17
  • 8. Jan Lammers/Val Hillebrand/Tom Coronel (NED) RFH-Dome 24 weiter:
  • 19. J.D. Deletraz/Walter Lechner Jr./C. Pillon (SUI/AUT/SUI) Reynard 58
  • 26. Franz Konrad/T. Bourcheller/T. Seiler (AUT/USA/SUI) Saleen 110

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