Zeuge sagt gegen "Henker von Genua" aus

14. Juni 2002, 17:51
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Der mutmaßliche NS-Kriegsverbrecher Friedrich Engel wird für den Tod von 59 Gefangenen verantwortlich gemacht

Hamburg - Im Mordprozess gegen den mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher Friedrich Engel vor dem Landgericht Hamburg hat am Freitag erstmals ein Zeuge die Anklage-Vorwürfe im Zusammenhang mit der Erschießung italienischer Gefangener 1944 in Genua bestätigt. "Engel als Chef des Sicherheitsdienstes in Genua hatte die Oberaufsicht, er hatte die Überwachungsfunktion für die Durchführung der Erschießung", sagte ein 79 Jahre alte ehemalige NS-Marinesoldat als Zeuge. Er war nach eigenen Angaben Augenzeuge der Erschießungen.

Vergeltung

Der als "Henker von Genua" bekannt gewordene frühere SS-Offizier Engel hatte erklärt, für den Tod der 59 Gefangenen sei die NS-Marine verantwortlich. Die Erschießung war ein Vergeltungs-Akt für einen Partisanen-Angriff auf ein deutsches Militärkino mit sechs Toten. Wie andere Zeugen vor ihm sagte der Ex-Marinesoldat, von einer Kommandierung der Aktion durch die Marine sei ihm nichts bekannt. Er habe nie einen Befehl gesehen und "es hätte etwas Schriftliches geben müssen". Engel hatte stets beteuert, er sei "nur als Beobachter" bei der Erschießung am Turchino-Pass bei Genua dabei gewesen.

Nach Aussage des Zeugen stand Engel jedoch als ranghöchster Offizier vor Ort etwa sechs bis acht Meter von der Leichengrube entfernt. Er habe auerdem einem Untergebenen demonstriert, wie man einen "Gnadenschuss" auf einen verwundeten Delinquenten abzugeben habe. Ob Engel selbst abgedrückt hat, konnte der Zeuge nicht sagen, da ihm dabei die Sicht verstellt war.

Ein Bürger

Engel hatte nach dem Krieg unbehelligt in Hamburg gelebt. 1999 wurde er in Turin in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Daraufhin wurde in Deutschland neu gegen ihn ermittelt. Der Prozess wird am 19. Juni mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt.(APA/dpa)

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    Friedrich Engel

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