Ex-General weist Vorwurf krimineller NATO-Aggression zurück

14. Juni 2002, 21:15
11 Postings

Naumann: "Wollten gefährdete Stabilität der Region bewahren"

Den Haag - Der frühere deutsche General Klaus Naumann hat am Freitag in Den Haag den Vorwurf zurückgewiesen, die NATO habe mit ihren Bombenangriffen im Kosovokrieg eine "kriminelle Aggression" gegen Jugoslawien begangen. Im Prozess vor dem UNO-Tribunal gegen den jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic sagte der damalige Chef des NATO-Militärausschusses, das Bündnis habe eingegriffen, weil der UNO-Sicherheitsrat seine Aufgabe nicht erfüllen konnte.

Als Zeuge der Anklage erklärte der frühere Generalinspekteur der deutschen Bundeswehr: "Es ging um schwerwiegende Verletzungen von Menschenrechten und die Notwendigkeit, die gefährdete Stabilität einer ganzen Region zu bewahren." Naumann antwortete auf Fragen von Milosevic, der sich selbst verteidigt und Zeugen ins Kreuzverhör nehmen kann.

Der als Kriegsverbrecher angeklagte Ex-Staatschef machte immer wieder geltend, dass sich sein Land im Einklang mit internationalem Recht im Kosovo gegen "albanische Terroristen" verteidigt habe. Naumann betonte, dass serbisches Militär und Polizei repressiv gegen die nicht-serbische Bevölkerung vorgegangen seien und auf einzelne Vorfälle mit unvertretbarer Härte reagiert habe. Es sei nicht zu akzeptieren, dass bei so genannten Polizeioperationen die Streitkräfte unbefestigte Dörfer mit Artillerie und Panzern beschossen, ehe sie angebliche Terroristen suchten und viele Zivilisten töteten.

Auf Fragen von Milosevic räumte Naumann ein, dass es sich bei einem NATO-Luftangriff auf einen Flüchtlingskonvoi um einen Irrtum des Piloten gehandelt habe. Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Dienst am 6. Mai könne er sich aber an keinen Angriff von NATO-Flugzeugen auf ein Krankenhaus erinnern, fügte er hinzu. Er bestritt auch die Darstellung, dass so genannte Streubomben auf Städte und zivile Ziele geworfen worden sei. Nach Naumanns Angaben sind bei den Angriffen auf Jugoslawien an 78 Tagen 28.000 Sprengkörper eingesetzt worden. Davon habe nur ein Prozent nicht das beabsichtigte Ziel erreicht. (APA)

Share if you care.