Gefährliche Designerdrogen

15. Juni 2002, 15:25
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Mediziner warnt vor neuen Substanzen auf dem Markt - bei "Chicken powder" setzt die Wirkung erst nach einer Stunde ein

Innsbruck - Designerdrogen, umgangssprachlich auch "Ecstasy" genannt, sind nach Cannabis die am häufigsten konsumierten Suchtmittel im deutschsprachigen Raum. Gerade in der letzten Zeit kommen immer wieder neue Substanzen auf den Markt, die für die Konsumenten der bunten Pillen extrem gefährlich sind und bis zum Tod führen können, warnte Thomas Fleischmann-Sperber vom Medizinischen Qualitäts- und Risikomanagement in Nürnberg im Gespräch.

Konkret nannte der Mediziner zwei Substanzen, die sich in letzter Zeit etabliert hätten: CC-B und DMMA (auch "Chicken powder" genannt). CC-B, ein Paramethoxy-Metamphetamin, sei sehr gefährlich und habe in Europa bereits zu einigen Todesfällen geführt. Bei den Konsumenten bewirke diese Substanz vorwiegend starke Halluzinationen.

Heimtückisch: Wirkung nach einer Stunde

"Auch Chicken powder scheint sich zu etablieren", sagte der Experte. Erste "Warnmeldungen" habe er bereits im Jahr 2000 erhalten. Die Substanz verhalte sich sehr heimtückisch. Während sich bei herkömmlichen Designerdrogen bereits nach 20 bis 30 Minuten eine Wirkung einstellt, dauere diese bei chicken-powder meist eine Stunde. "Der Jugendliche wirft gleich eine weitere Pille ein, um endlich etwas zu spüren", weiß Fleischmann-Sperber. Die "körperlichen Zeichen" dieser Ecstasy-Tabletten, wie etwa Überhitzung des Körpers oder Blutdruck- und Herzfrequenzsteigerung, schlagen in diesem Fall doppelt zu.

Falsche Behandlung durch unerkannte Ursachen

Das Problem an Ecstasy sei, dass der Konsument nicht genau weiß, welche Substanzen die bunten Pillen genau beinhalten. Für den Laien seien die unterschiedlichen Aufdrucke kaum deutbar, erklärte der Experte. Kommt es nach Einnehmen des "Medikamentencocktails" zu Komplikationen (zu den häufigsten zählen Krampfanfälle oder Depressionen), könnten deren Ursache (nämlich die Ecstasy-Einnahme) von den Ärzten meist nicht erkannt werden. Die Patienten werden dann häufig falsch behandelt, etwa weil hinter der Verkrampfung ein Epilepsie-Anfall vermutet wird. Nur etwa durch eine Harn-Untersuchung könne die Drogeneinnahme erkannt und in der Folge behandelt werden. Insgesamt gebe es acht verschiedene Substanzen, die häufig für Ecstasy verwendet werden, betonte Fleischmann-Sperber.

Als die "mit Sicherheit gefährlichste Designer-Droge" gelte "Crystal" oder "Ice", ein schnupf- und rauchbares Methamphetamin. Crystal finde besonders im Nord-Bayrischen Raum große Verwendung, bezogen werden sie dort vorwiegend aus Tschechien. Die meisten Ecstasy-Pillen stammen, wie Fleischmann-Sperber sagte, aus Holland. Insgesamt 43 Personen seien im Jahr 2000 in Deutschland nach dem Gebrauch von Ecstasy-Tabletten gestorben. Zu den "Hauptkonsumenten" der Pillen zählen Personen zwischen 15 und 25 Jahren. (APA)

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