Dahlan warnt vor Sturz Arafats

14. Juni 2002, 14:14
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Ex-Geheimdienstchef: Nachfolger würde radikaler sein - "Interne Debatte" in der palästinensischen Führung

Jerusalem - Der zurückgetretene palästinensische Geheimdienstchef für den Gaza-Streifen, Mohammed Dahlan, hat Israels Führung eindringlich vor dem Sturz von Präsident Yasser Arafat gewarnt. Ein Nachfolger Arafats würde viel radikaler sein, sagte Dahlan der israelischen Tageszeitung "Yediot Aharonot" (Freitag). Ein neuer palästinensischer Führer werde versuchen, durch "extremere" politische Positionen und mehr Aktionen gegen Israel die Legitimität der Palästinenser zu gewinnen. Dahlan machte Israel direkt verantwortlich für die Selbstmordanschläge von Palästinensern.

"Das Leiden an den (israelischen) Kontrollposten schafft jeden Tag zehn neue Selbstmordbomber. Früher hat es Monate gedauert, einen zu finden. Heute stehen sie Schlange", sagte Dahlan, der hinzufügte: "Ein junger Palästinenser steht am Morgen auf, hat keine Arbeit, nichts zu essen und keine Hoffnung. Am dritten Tag sagt er: Ich gehe ins Paradies." Ein Ende der Anschläge wird es aus Sicht Dahlans erst geben, wenn sich Israel auf die völkerrechtlichen Grenzen von 1967 zurückzieht und die jüdischen Siedler den palästinensischen Boden verlassen.

Dahlan machte zugleich deutlich, dass es innerhalb der Palästinenserführung deutliche Kritik gebe. "Es gibt unter uns eine interne Debatte über den Weg, den wir eingeschlagen haben. Wir überdenken diesen, um zu sehen, wo wir uns geirrt haben." Dahlan war vor zehn Tagen von seinem Posten zurückgetreten. Die Entscheidung wurde nach den Gesprächen von CIA-Direktor George Tenet mit Arafat über eine Reform des palästinensischen Sicherheitsapparats bekannt gegeben. Der 42-jährige Dahlan wurde in Medienberichten als der "starke Mann" gehandelt, der künftig einem von zwölf auf vier Organisationen "abgespeckten" Sicherheitsapparat vorstehen solle. Arafat habe bisher eine einheitliche Führung vermieden, um Dahlan gegen den Sicherheitschef des Westjordanlandes Jibril Rajoub "ausspielen" zu können, sagten palästinensische Kritiker.(APA/dpa)

  • Mohammed Dahlan
    foto: epa/fayez nureldine

    Mohammed Dahlan

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