Keine "überschießende" Polit-Kritik an Banken

14. Juni 2002, 14:11
posten

Leitl: Könnte Österreich volkswirtschaftliche Nachteile bringen

Wien - Hinsichtlich der im Zusammenhang mit dem so genannten Lombard-Klub geäußerten Vorwürfe gegen die Banken appellierte am Freitag Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl "nicht das Ansehen einer ganzen Branche mit fast 80.000 Mitarbeitern pauschal zu beschädigen und Österreichs Banken international in Misskredit zu bringen". Die Banken seien ein wichtiger und verlässlicher Begleiter für die österreichischen Betriebe und ein Garant für einen stabilen österreichischen Kapitalmarkt.

Durch "politisch motivierte überschießende Kritik" könnten auch Nachteile für Österreich und die österreichische Volkswirtschaft entstehen, warnte Leitl und verwies auf die Überprüfung des derzeit sehr guten Triple-A-Kreditratings für Schuldtitel der Republik Österreich durch die internationale Ratingagentur Moody's. Im Falle einer Herabstufung des Ratings würden für Österreich hohe Kosten entstehen.

Nicht in europäisches Verfahren einmischen

Leitl spricht sich in Bezug auf die Politik dafür aus, sich nicht in das Verfahren auf europäischer Ebene mit Wahlkampf-Zwischenrufen einzumischen. Letztlich werde dieses Verfahren durch den EuGH entschieden, das sollten alle zur Kenntnis nehmen.

Die Preise für Bankprodukte seien in Österreich so niedrig wie sonst fast nirgendwo in Europa, so Leitl weiter. Nach einer Studie des Unternehmensberaters McKinsey koste etwa ein Girokonto in Österreich jährlich durchschnittlich 38,2 Euro, in Deutschland 55,9 und in Italien sogar 119 Euro. Bei den Privatkrediten sei Österreich laut einer EU-Studie nach Frankreich am zweitbilligsten. "Die Banken als Abkassierer darzustellen, entspricht sicher nicht den Tatsachen, denn die Zinsspanne ist in Österreich traditionell sehr niedrig", so Leitl.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.