Molterer sieht "Österreichs Vorbildrolle" beim Naturschutz

15. Juni 2002, 14:59
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Europatagung der Weltnaturschutz- Organisation IUCN in Österreich

Klagenfurt - Zum ersten Mal findet die Europatagung der Weltnaturschutzorganisation IUCN in Österreich statt. Schauplatz ist Pörtschach, wo das Pan-European Meeting am Freitag von Bundesminister Wilhelm Molterer (V) eröffnet wurde. Drei Tage lang befassen sich 250 Delegierte aus 35 Ländern mit dem Naturschutz in Europa, u.a. im Hinblick auf die EU-Osterweiterung.

Naturschutzreferent Georg Wurmitzer (V) strich vor der Eröffnung die Bemühungen des Landes in Sachen Naturschutz heraus. Dieser erfolge auf den drei Ebenen Nationalparks (Hohe Tauern hat seit einem Jahr die internationale Anerkennung), Naturparks (der erste wird im Juli am Dobratsch bei Villach eröffnet) und Natura 2000 (29 Gebiete sind ausgewiesen).

"Vorbildrolle"

Molterer strich heraus, dass in Österreich rund ein Viertel des Bundesgebietes nach verschiedenen Kategorien unter Schutz stehen. Dies sei im europäischen Vergleich ein erfreulich hoher Wert. Der Minister teilte mit, dass Österreich noch heuer der Alpenkonvention beitreten und das Gesäuse ebenfalls heuer zum sechsten Nationalpark erklärt werde. "Österreich ist sich seiner Vorbildrolle also sehr bewusst", betonte Molterer.

Den Erfolg und den Stellenwert der heimischen Nationalparks führt er auf drei Faktoren zurück. Dies seien die frühe Einbeziehung von Grundbesitzern und Bevölkerung in den Entscheidungsprozess, die Gewährung von angemessenen Entschädigungen für wirtschaftliche Nachteile und die Ausrichtung der Nationalparkpolitik nach den Kriterien der IUCN. "Wer 'Nationalpark' sagen will, der muss auch bestimmte Kriterien erfüllen", dazu Molterer.

Anziehungspunkt Nationalpark

Der Minister sagte weiters, dass sich die Nationalparks in den vergangenen Jahren zu besonderen Anziehungspunkten entwickelt haben. "Im Jahr 2001 haben rund vier Millionen Menschen die fünf heimischen Parks besucht", sagte er. "Mehr als 60.000 Schüler und Schülerinnen waren im Rahmen von Projektwochen in den österreichischen Nationalparks unterwegs." Als einen der Gründe für die steigende Anerkennung der Nationalparks bezeichnete er auch deren "wirtschaftliche Sogwirkung mit vielfältigen Impulsen für die Regionen".

Der Generaldirektor der Weltnaturschutzorganisation IUCN, Achim Steiner, sagte bei dem Pressegespräch in Pörtschach, dass in Europa das Vertrauen in den Naturschutz ein kontroversielles Thema sei. In den nächsten zehn Jahren stünden auf Grund der Integrationserweiterung gravierende Änderungen bevor. Dies habe IUCN veranlasst, ein eigenes Europabüro in Brüssel zu eröffnen.

Die Delegierten werden in Pörtschach das Profil des europäischen IUCN-Programmes diskutieren und eine gesamteuropäische Naturschutzstrategie festlegen. Weiters wird die Koordinierung von Programm- und Projektentwicklung durch die verschiedenen IUCN-Organe diskutiert, die Aufgaben des Konzils, der nationalen Komitees, der Kommissionen und der europäischen Büros überprüft. Schließlich wird der Welt Park Kongress vorbereitet, der 2003 in Durban (Südafrika) stattfindet.

IUCN wurde 1948 gegründet und ist das umfassendste ökologische Wissennetzwerk der Welt mit knapp 1.000 Mitgliedsorganisationen. Die Zentrale liegt in Gland bei Genf. Im Pan-Europäischen Raum ist IUCN in 47 der 55 Staaten vertreten und hat 325 Mitglieder. Das Europabüro befindet sich in Brüssel, subregionale Büros gibt es in Warschau, Moskau und Malaga. (APA)

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