Milchpreis drückt Berglandmilch ins Minus

14. Juni 2002, 14:15
posten

Nur zu 80 bis 90 Prozent konnte der Marktführer den Bauernmilchpreis aus laufendem Geschäft finanzieren

Wien - Österreichs größte Molkerei, die oberösterreichische Berglandmilch, hat das Geschäftsjahr 2001 mit einem operativen Minus abgeschlossen. Der Grund dafür liege im hohen Bauernmilchpreis, der nur zu 80 bis 90 Prozent aus dem laufenden Geschäft finanziert werden konnte und sich auf den - nicht näher bezifferten - Betriebserfolg (EBIT) negativ ausgewirkt habe, erläuterte der Finanzvorstand der Berglandmilch, Hans Tremesberger, am Freitag am Rande der Bilanzpressekonferenz im Gespräch mit der APA. Im Konzern war das EBIT auf Grund der guten Ergebnisse der Tochterunternehmen in Bayern (Rottaler Milchwerke) und Italien (Bayernland Sterzing) positiv. Für heuer rechnet man bei der Berglandmilch jedoch wieder durchgehend mit einer positiven Bilanz.

Das Milchgeld an die Bauern der Berglandmilch ist im Vorjahr um 17,8 Prozent auf 37,5 Cent je kg angehoben worden. In Summe wurden 40 Mill. Euro Milchgeld ausbezahlt. Im Österreich-Schnitt ist der Bauernmilchpreis 2001 um 14,9 Prozent gestiegen, in Holland oder Frankreich zum Beispiel nur um 4 Prozent, so Tremesberger. In Bayern lag das Plus bei 10,2 Prozent.

Umsatz stabil

In weiterer Folge wurden auf Grund des hohen Milchgeldes auch das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT), das von 1,95 auf 1,64 Mill. Euro gesunken ist, und das Bilanzergebnis, das von 1,41 auf 1,29 Mill. Euro zurück gegangen ist, in der Berglandmilch-Bilanz belastet. Der Umsatz der Berglandmilch ist mit 540,4 Mill. Euro, nach 539,1 Mill. Euro stabil geblieben. Das Ziel, 2001 die Umsatzhürde von 8 Mrd. S (581 Mill. Euro) zu erreichen, wurde jedoch verfehlt.

Das Eigenkapital wurde mit 114,4 Mill. Euro angegeben, was ein "stabiles Niveau" und ein "solides Fundament, das die Investitionen trägt", darstelle. Im Vorjahr seien 21,6 Mill. Euro investiert worden, nach 15,9 Mill. Euro im Jahr 2000. Im laufenden Geschäftsjahr werde mit 35 Mill. Euro der Höhepunkt und gleichzeitig der Abschluss der massiven Investitionstätigkeit des Unternehmen erreicht, so der Finanzvorstand. Danach werden sich die Investitionen auf einem durchschnittlichen Niveau von knapp 10 Mill. Euro einpendeln.

Strukturbereinigungsprozess

Der durch den Strukturbereinigungsprozess erreichte "Quantensprung in der Produktivitätssteigerung" werde jedoch erst 2003 in der Bilanz wirksam, zeigte sich Tremesberger optimistisch. 2002 könnten sogar noch höhere Kosten entstehen. Die Planung für das laufende Geschäftsjahr sieht ein EGT und ein Bilanzergebnis auf dem Niveau von 2001 vor. Beim Umsatz sollte eine Steigerung möglich sein, entscheidend dafür sei aber die Entwicklung im zweiten Halbjahr.

Der Bauernmilchpreis wurde im Frühjahr bereits auf Grund der Marktentwicklung um 4 Cent zurück genommen und sollte, so sich der Markt nicht noch negativer entwickelt, zu halten sein, so Tremesberger. Im Vorjahr hat die Berglandmilch auf Grund von Strukturveränderungen rund 2.000 Milchbauern verloren und wird derzeit von 17.000 Lieferanten bedient. Die Zahl jener Bauern, die zu anderen Molkereien abgewandert seien, konnten durch Neuzugänge kompensiert werden, hieß es.

Ost-Molkereien

Die Berglandmilch streckt nun ihre Fühler nach Osteuropa aus, um sich für die bevorstehende EU-Erweiterung zu rüsten. Derzeit gebe es "Sondierungsgespräche" mit Molkereien in Tschechien, Slowenien und der Slowakei, zu einer "Verbindung" könnte es noch heuer kommen, hofft der Generaldirektor der Berglandmilch, Josef Schwaiger. Laut Finanzvorstand Hans Tremesberger habe man einen einstelligen Euro-Millionenbetrag für eine mögliche Kapitalbeteiligung auf der Seite.

Mit der EU-Osterweiterung werde der Importdruck nach Österreich deutlich zunehmen, so Schwaiger. Schätzungen sprechen von 1 bis 5 Mrd. Liter Milch, die zusätzlich aus den Kandidatenländern auf den EU-Markt fließen könnten. Schon im Vorjahr seien 63 Mill. kg Käse nach Österreich importiert worden, was eine "riesige Menge" darstelle. (APA)

Share if you care.