Badeunfälle sind Wettlauf mit der Zeit

14. Juni 2002, 13:34
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Nur drei Minuten kommt Gehirn ohne Sauerstoff aus

Wien (APA) - Mit der warmen Jahreszeit steigt die Gefahr der Badeunfälle. Die rasche Hilfe bis zum Eintreffen des Notarztes ist besonders wichtig, erklärte Dr. Helmut Trimmel, leitender Notarzt des ÖAMTC-Rettungshubschrauber "Christophorus 3", in dessen Einsatzgebiet der Neusiedler See liegt. Im Wettlauf mit der Zeit muss nach der Bergung eines Bewusstlosen aus dem Wasser unverzüglich mit Maßnahmen zur Wiederbelebung begonnen werden.

Nur rund drei bis fünf Minuten kommt das Gehirn ohne Sauerstoff aus

Nur rund drei bis fünf Minuten kommt das Gehirn ohne Sauerstoff aus. Danach kann auch bei erfolgreicher Wiederbelebung eine Schädigung nicht mehr ausgeschlossen werden. Bei sehr rascher Abkühlung durch einen Sturz in eiskaltem Wasser verlängern sich diese Zeiten laut Trimmel. Bei den Temperaturen der heimischen Gewässer besteht diese Hoffnung aber nicht.

"Trockenes" und dem "nasses" Ertrinken

Unterschieden wird zwischen dem "trockenen" und dem "nassen" Ertrinken. Besonders ungeübte Schwimmer können durch versehentliches Schlucken von Wasser einen Stimmritzenkrampf erleiden. Sie ertrinken eigentlich deshalb, weil keine Luft mehr in die Lunge kommt. Sind die Lungen voll Wasser, erfolgt kein Sauerstoffaustausch, das "nasse" Ertrinken droht.

Keine Angst vor der Rettung: Ein bisschen falsch ist besser, als gar nichts zu tun

Angst, bei den lebensrettenden Maßnahmen Fehler zu machen, sollte niemand haben. Trimmel: "Ein bisschen falsch ist besser, als gar nichts zu tun." Zuerst gehören Atmung und Herzfunktion geprüft. Bei Ausfällen muss rasch mit der Reanimation begonnen werden. Egal, ob die Wiederbelebung allein oder zu zweit durchgeführt wird, auf zwei Atemspenden sollen 15 Herzdruckmassagen folgen.

Stress

Meist löst ein internistischer Notfall den Badeunfall aus, so der Experte. Der Sprung ins kalte Wasser, aber auch ein voller Magen stellen für den Körper Stress dar. Diese Kreislaufbelastung kann zu Herzversagen oder Ersticken durch Erbrechen führen. Den sportlichen Köpfler in unbekanntes Gewässer bezahlen jedes Jahr Patienten mit ihrer Gesundheit. Verletzungen der Halswirbelsäule enden oft mit einem Leben im Rollstuhl.

Tragisch endet bei aller ärztlicher Kunst leider manchmal auch Unachtsamkeit, warnt Trimmel. Swimming-Pools und Gartenteiche können für unbeaufsichtigte Kleinkinder zur Todesfalle werden. Schon ein Wasserstand von wenigen Zentimetern reicht zum Ertrinken.(APA)

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