Aufstieg und Fall der T-Aktie

14. Juni 2002, 13:32
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Die "Volksaktie" bereitet den Anlegern seit zwei Jahren nur noch Sorgen - Jetzt ist sie unter die magische Zehn-Euro-Marke gefallen

Frankfurt - Mit einem furiosen Debüt kam die Deutsche Telekom vor fünfeinhalb Jahren an die Börse. Hunderttausende Privatanleger legten damals erstmals Geld in Aktien an, die T-Aktie wurde zum Symbol einer Ära. Drei Jahre ging es praktisch nur bergauf, doch im Zuge der allgemeinen Branchenkrise setzte auch das Papier der Deutschen Telekom zur Talfahrt an. Trauriger Tiefststand war nun am Freitag das Durchbrechen der Zehn-Euro-Grenze. Die wichtigsten Stationen der "Volksaktie":

18. November 1996: Die T-Aktie legt an der Frankfurter Börse einen gelungenen Marktstart hin. Großanleger zahlen 28,50 DM (14,57 Euro) für das Papier, Privatinvestoren 50 Pfennig weniger (14,32 Euro). In den folgenden Monaten und Jahren geht der Kurs stetig nach oben.

28. Juni 1999: Beim zweiten Telekom-Börsengang kosten die neu auf den Markt kommenden T-Aktien 39,50 Euro. Vor allem der Boom bei Internet und Mobilfunk beschert der T-Aktie einen Höhenflug.

Frühjahr 2000: Auf dem Höhepunkt der High-Tech-Euphorie überspringt die T-Aktie die Marke von 100 Euro. Die Internet-Tochter T-Online startet mit zweistelligen Kurszuwächsen selbst glanzvoll an der Börse.

19. Juni 2000: Beim dritten Börsengang bringen die neuen Aktien dem Bund einen Rekorderlös von 15,3 Mrd. Euro. Die Neuausgabe drückt den Kurs der T-Aktie aber deutlich. Die Aktie fällt unter den Ausgabepreis für die neuen Anteilsscheine von 66,50 Euro.

24. Juli 2000: Die Telekom kündigt den Kauf des US-Mobilfunkbetreibers VoiceStream für 50,7 Mrd. Dollar an. Zwei Wochen später bläst sie den Börsengang ihrer Mobilfunktochter T-Mobile ab - mit Verweis auf die Eingliederung des Neukaufs. Zu diesem Zeitpunkt steht der Kurs der T-Aktie bei 47 Euro.

August 2000: Die Telekom erwirbt wie in Großbritannien auch in Deutschland eine UMTS-Lizenz für Multimedia-Mobilfunk und zahlt dafür an den Bund rund acht Mrd. Euro, seitdem drückt eine immense Schuldenlast das Unternehmen.

Februar 2001: Die Telekom muss einräumen, dass ihr Immobilienbesitz deutlich überbewertet ist. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachtes falscher Bilanzen.

30. Mai 2001: Der VoiceStream-Deal ist endlich besiegelt. Aktionäre des US-Unternehmens bekommen im Tausch T-Aktien, die sie erst nach einer Haltefrist wieder abstoßen dürfen. In den kommenden Wochen und Monaten machen erste Großanleger davon Gebrauch, der Kurs bricht wegen der Aktienschwemme ein.

10. September 2001: Die T-Aktie stürzt erstmals unter den Ausgabekurs des ersten Börsengangs.

5. März 2002: Die Telekom verkündet erstmals rote Zahlen für ein Geschäftsjahr. Der Nettoverlust beläuft sich 2001 auf 3,5 Mrd. Euro.

23. April: Wegen des gescheiterten TV-Kabelnetzverkauf an den US-Konzern Liberty Media muss die Telekom ihr Schuldenziel revidieren. Statt die Verbindlichkeiten noch dieses Jahr auf 50 Mrd. Euro zu senken, geht das Unternehmen nun erst von Ende 2003 aus.

26. Mai: Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick rechnet damit, dass der Nettoverlust 2002 auf bis zu 5,5 Mrd. Euro steigen könnte.

14. Juni: Die T-Aktie fällt unter die magische Marke von zehn Euro. Damit hat sie seit den Höchstständen von Frühjahr 2000 einen Wertverlust von 90 Prozent erlitten.(APA)

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