Konjunkturerholung in Österreich auf wackeligen Beinen

14. Juni 2002, 12:37
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BA/CA: Negative Konjuktur-Schlagzeilen machen Konsumenten wieder skeptischer

Wien - Der Konjunkturindikator der Bank Austria Creditanstalt (BA/CA) hat sich im Mai nicht verbessert. Der Anstieg des Optimismus bei der Industrie war gerade stark genug, um den erneuten Stimmungsrückgang bei den Konsumenten wettzumachen. "Die Industrie erholt sich nur langsam und die negativen Konjunktur-Schlagzeilen machen die Konsumenten wieder skeptischer", so BA/CA-Volkswirt Stefan Bruckbauer. "Die Rezession ist zwar vorbei, die Erholung verschiebt sich jedoch." Laut Bruckbauer dämpft auch die sehr schwache Baukonjunktur die Erholung.

Die Erholung der US-Wirtschaft habe zwar auch zur Erholung in Europa beigetragen, die Unsicherheit über die weitere Entwicklung hemme aber die Industrie in der Eurozone. Trotz verbesserter Stimmung und Auftragslage sieht Bruckbauer die Investitionsbereitschaft nur langsam steigen. "Wir haben zwar den Konjunkturdämpfer aus den USA erwartet, allerdings dürfte er sich früher als angenommen auf Europa auswirken", wie Marianne Kager, Chefvolkswirtin der BA/CA, ergänzt. "Negative Schlagzeilen verbunden mit der teilweise dramatischen Entwicklung an den Aktien- und Anleihemärkten und die weiterhin schwache Konjunktur in Deutschland dürften sich derzeit sehr negativ niederschlagen."

Wirtschaft kaum gewachsen

Im ersten Quartal 2002 dürfte Österreichs Wirtschaft gegenüber dem schwachen Vorquartal wenig und gegenüber dem Vorjahr gar nicht gewachsen sein. Die Ökonomen der BA/CA begründen diese Annahme vor allem mit der schwachen Industriekonjunktur, der nur langsamen Erholung des privaten Konsums und der weiterhin äußerst schwachen Bauwirtschaft. Im zweiten Quartal sollte Österreichs Wirtschaft jedoch wieder an Tempo gewonnen haben, allerdings weniger als ursprünglich erwartet. "Alle Anzeichen deuten derzeit darauf hin, dass Österreichs Wirtschaft heuer ein Wachstum unter 1,5 Prozent erreichen wird", prognostiziert Bruckbauer. "Die Erholung verschiebt sich in die zweite Jahreshälfte. Wir erwarten aber derzeit keinen erneuten Rückfall in die Rezession, haben jedoch unsere Prognose für 2002 gesenkt."

So wie sich die Skepsis über die Dynamik der US-Erholung schneller als von den BA/CA-Ökonomen erwartet nun bemerkbar gemacht hat, sei auch die erwartete Erholung des Euro etwas schneller gekommen. "Auf Grund unserer Erwartung eines zwar stetigen, aber nicht dynamischen Wirtschaftsverlaufes in den USA gehen wir auch von einer weiteren Erholung des Euro aus", so Marianne Kager in einer BA/CA-Presseinformation vom Freitag. Sogar die Parität im nächsten Jahr sei nicht ausgeschlossen.

Moderate Zinserhöhung zu erwarten

Das derzeitige Konjunkturbild lasse nur eine moderate Zinserhöhung erwarten. In den USA mehr noch als in Europa dürfte die Zinserhöhung in den Herbst verschoben sein, wenn sich bis dahin - so auch die Erwartung der BA/CA-Ökonomen - die Aussichten wieder verbessert haben werden. In der Eurozone als auch in den USA dürften die Zinserhöhungen heuer nur gering ausfallen, erst 2003 ist mit einer deutlicheren Steigerung der Zinsen zu rechnen.

Auch wenn nicht davon auszugehen sei, dass die Konjunkturerholung in Österreich gefährdet ist, so seien die Risken in den vergangenen Wochen wieder deutlich gestiegen (ausgehend vor allem von den USA). Weitere Enttäuschungen über die Dynamik der Wirtschaft könnten die Erholung gefährden. "Eine schwache US-Wirtschaft verbunden mit einem starken Euro wäre sicher eine Belastung für die europäische Wirtschaft", umreißt Bruckbauer das Risikoszenario für die Erholung in Österreich.(APA)

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