"Im Alter werde ich enthemmter"

14. Juni 2002, 12:22
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Herbert Feuerstein, Chefredakteur des Satiremagazins "Mad" und Vater der Kultsendung "Schmidteinander", wird 65

Herbert Feuerstein ist der Inbegriff skurriler Fernsehunterhaltung. Lange bevor das Wort Comedy im Deutschen gebräuchlich wurde, erfand der gebürtige Österreicher zusammen mit Harald Schmidt die chaotische Kultsendung "Schmidteinander". Dabei kam Feuerstein nur über Umwege zum Komikfach. Sein erstes Geld verdiente er sich als Journalist in New York, bevor er Chefredakteur des Satiremagazins "Mad" wurde. Am Samstag (15. Juni) feiert der Autor, Publizist und Komiker seinen 65. Geburtstag.

"Total gläubiger Atheist"

Der nach eigenen Angaben "total gläubige Atheist" wurde 1937 in Zell am See bei Salzburg geboren und schlug zunächst einen ganz seriösen Weg ein: Er studierte am Salzburger Mozarteum Klavier, Cembalo und Komposition und zog dann nach New York, um bei der deutschsprachigen "New Yorker Staatszeitung" und als Pressereferent am österreichischen Generalkonsulat zu arbeiten.

Erst mit seiner Rückkehr nach Deutschland Ende der 60er Jahre begann Feuersteins Karriere als Komiker. Er wurde Leiter des Frankfurter Satireverlags "Bärmeier & Nikel", wo die Zeitschrift "Pardon" erschien, und anschließend, von 1969 bis 1992, Chefredakteur von "Mad". Hier entfaltete der "Entwickler höheren Blödsinns" erstmals öffentlich seinen skurrilen Humor, der später zu seinem Markenzeichen wurde. "Die Zeit bei "Mad" ist für mich heute noch der Höhepunkt meiner Laufbahn", sagt Feuerstein.

"Schmidteinander

Als Partner von Harald Schmidt in der Kultfernsehshow "Schmidteinander" wurde Feuerstein dann einem größeren Publikum bekannt. Wie eine Mischung aus Hans Moser und Woody Allen verkörperte er dort den Prügelknaben, der kleinlaut am Katzentisch in der Ecke saß und vermeintlich unter Schmidt leiden musste. Für seine "anarchische Originalität" erhielt Feuerstein 1994 den Fernsehpreis "Bambi" und den Grimme-Preis.

Auch nach dem Ende von "Schmidteinander" 1995 blieb Feuerstein dem Fernsehen treu. Unter anderem spielte er in verschiedenen Filmen mit. Heute gehört er zum Ensemble der Kabel-1-Show "Was bin ich?" - seine sonstige TV-Präsenz hat er zurückgeschraubt. "Ich mache nicht mehr gerne so viel Fernsehen. Ich habe immer Nischenhumor angeboten, den übernimmt heute Harald Schmidt. Der ist 20 Jahre jünger."

Deutsche Staatsbürgerschaft um "Deutschland als eutscher zu beschimpfen"

Feuerstein wendet sich jetzt mehr dem Theater und der klassischen Musik zu. "Im Alter werde ich enthemmter. Wenn sich das richtige Orchester findet, dann werde ich auch nochmal dirigieren." Auf der Bühne brillierte er unter anderem 1995 als Gefängniswärter Frosch in der Leipziger "Fledermaus"-Inszenierung von Ruth Berghaus - eine Rolle, die er diesen Sommer auch im Harzer Bergtheater Thale übernimmt.

Persönlich gibt sich Feuerstein zurückhaltend. "Ich bin ein sehr privater Mensch, von Partys gehe ich immer als Erster nach Hause", sagt der bereits zum dritten Mal verheiratete Vater eine Tochter. Seine Zeit verbringe er am Liebsten beim Arbeiten oder mit seiner Frau. Seit zehn Jahren ist Feuerstein Deutscher. Die deutsche Staatsbürgerschaft nahm er 1992 an um endlich "Deutschland als Deutscher zu beschimpfen". (APA)

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