WAZ-Konsortium für Übernahme der KirchMedia steht

16. Juni 2002, 11:47
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Commerzbank und WAZ sollen je 40 Prozent an AG halten, Columbia 20 Prozent

Nach Angaben der Commerzbank stehen die Eckpunkte des Übernahme-Konsortiums für die insolvente KirchMedia fest. "Gestern hat sich Kreditvorstand Wolfgang Hartmann mit dem Columbia-Europachef John McMahon und dem WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach in Köln darüber verständigt", sagte eine Bankensprecherin der dpa am Freitag. In der nächsten Woche solle ein Konsortialvertrag unterschrieben werden. "Es könnte sein, dass dabei noch weitere Partner ins Boot kommen."

KirchMedia als Aktiengesellschaft

Die neue KirchMedia solle als Aktiengesellschaft gegründet werden, um sie mittelfristig an die Börse bringen zu können, sagte Commerzbank-Kreditvorstand Wolfgang Hartmann der Nachrichtenagentur Reuters. Zunächst würden Commerzbank und WAZ jeweils 40 Prozent und Columbia 20 Prozent an dem neuen Unternehmen halten. Dabei sei das Konsortium offen für weitere Partner. Die WAZ-Gruppe hatte offenbar auf der Gründung des neuen Konzerns als GmbH bestanden. Hartmann schätzt den Wert der neuen KirchMedia auf 1,8 bis 2,5 Mrd. Euro.

WAZ: Noch keine Entscheidung

Die WAZ-Gruppe gab sich am Donnerstagabend vorerst weiter zurückhaltend. "Es gibt Verhandlungen mit Commerzbank und Columbia, aber es gibt in unserem Haus noch keine Entscheidung. Die Bemerkungen von Herrn Hartmann kommentieren wir nicht", sagte ein Sprecher.

Die möglichen Partner ...

Zuversicht signalisierte indes Hartmann: Der Konsortialvertrag werde voraussichtlich in der nächsten Woche unterzeichnet, weil bei der WAZ und Columbia noch Gremienentscheidungen ausstünden, sagte der Banker. Als mögliche weitere Partner nannte er den Medienkonzern Mediaset, der von der Familie des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi kontrolliert wird, und die italienische Bank Mediobanca. Am Mittwoch hatte Hartmann bereits den Bauer-Verlag, den Kölner Einzelhandelskonzern Rewe und die Beteiligungsgesellschaft WCM ins Spiel gebracht.

Mediaset-Finanzchef Marco Giordani bestätigte Kontakte zur Commerzbank: "Hartmann ist eine kompetente Person, mit der wir eine Reihe von Kontakten seit dem Beginn der Kirch-Krise hatten." Wenn Details der Pläne bekannt würden, werde Mediaset diese prüfen. Rewe und WCM lehnten einen Kommentar ab.

Die weiteren Interessenten ...

Das Commerzbank-Konsortium gilt in Branchenkreisen als der aussichtsreichste Bieter, da alle anderen Interessenbekundungen bisher weniger konkret seien. Insgesamt hätten 82 Akteure ein Interesse an der Übernahme von KirchMedia oder Teilen der Gesellschaft geäußert - darunter alle großen internationalen Medienkonzerne wie News Corp, AOL Time Warner oder Viacom und Finanzinvestoren. Nur wenige Unternehmen haben ihr Interesse bisher aber öffentlich bekundet.

Der Hamburger Bauer-Verlag bestätigte am Donnerstag ein "allgemeines Interesse" an KirchMedia. Dazu sei der Verlag auch mit weiteren Partnern im Gespräch, sagte Sprecher Andreas Fritzenkötter. "Mit der genannten Bietergruppe haben wir nichts zu tun", stellte er klar. Eine Sprecherin der französischen TF1 gab sich ähnlich zurückhaltend: "Wir schauen uns den Vorschlag, der uns präsentiert wurde, an." Der Axel Springer Verlag prüft nach früheren Angaben aus Firmenkreisen ebenfalls einen Einstieg bei KirchMedia, strebt aber eine strategische Beteiligung von mindestens 25 Prozent an. (APA/Reuters/dpa)

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