Rätselhafter Tod eines Schülers im Freibad

14. Juni 2002, 19:47
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Trotz Aufsicht erst nach 20 Minuten unter Wasser entdeckt

Graz - Aus einem Schwimmausflug einer Grazer Hauptschule wurde am Donnerstag eine Tragödie. Der 13-jährige Schüler Isaak wurde am Vormittag bewusstlos am Grund des Sprungbeckens im Eggenberger Bad gefunden und verstarb am Abend auf der Intensivstation der Grazer Kinderklinik. Der Unglückshergang war bis Freitag unklar.

Die Schulleiterin der St.-Andrä-Schule, Irmingard Otto, beteuerte, dass niemand - weder die Mitschüler noch eine der neun Begleitpersonen - gesehen habe, ob Isaak vom 10-Meter-Turm gesprungen sei oder nicht. Sicher sei nur, dass der Bub anderen gesagt habe, er sei "kein guter Schwimmer" und wolle lieber nicht springen.

Ein Mitschüler entdeckte den leblosen Körper wenig später. "Zuerst dachte er an Tauchübungen", erzählt Otto, "doch dann hat er gemerkt, dass da was nicht stimmt."

Der aus Ghana stammende Vater des verunglückten Kindes, Paul-Benya, glaubt diese Geschichte aber nicht, er ist verzweifelt: "Die Leute lügen. Alle sagen, sie haben nichts gesehen!" Der Arzt habe ihm gesagt, sein Sohn müsse zwanzig Minuten unter Wasser gewesen sein.

Der Freund, der Isaak fand, hatte diesen kurz zuvor auf der Wiese des Bades mit einer Videokamera gefilmt. "Ich will dieses Video sehen", sagte der Vater zum STANDARD. "Mein Sohn konnte nicht schwimmen. Wo waren die Lehrer, wo die Bademeisterin?"

"Gestern hat der Vater gesagt, er kann schwimmen, und die Mutter hat nur mit den Schultern gezuckt", meinte auf Nachfrage die Schulleiterin. Da hätte es wohl "sprachlich" ein Problem gegeben. Die Schulleitung erklärt auch, dass die Lehrer vergeblich versucht hätten, den Vater über sein Mobiltelefon zu erreichen. Doch Paul-Benya sagt, dass weder Schule noch Polizei ihn benachrichtigten. Erst gegen 13 Uhr wären Schulkollegen seines Sohnes zu ihm nach Hause gelaufen. "Ich wollte gerade zur Arbeit gehen, da haben sie gerufen: Isaak ist im Krankenhaus."

Paul-Benya fuhr ins Spital und sah seinen Buben "mit diesen vielen Maschinen, die ihm helfen sollten zu atmen". Wenig später, als er wieder zu Hause bei seiner Frau und den beiden jüngeren Kindern war, kam der Anruf: "Alles vorbei."

Mit den Ergebnissen der Obduktion ist laut Gerichtsmedizin nicht vor nächster Woche zu rechnen. Erst dann wird feststehen, woran Isaak gestorben ist. (DER STANDARD, Printausgabe 15./16.06.2002)

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