Magersucht verkleinert das Gehirn - vorübergehend

14. Juni 2002, 12:22
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Dauerhafte Veränderungen im Hirnstoffwechsel erschweren die Heilung

In einem Interview mit der deutschen Fachzeitschrift "Psychologie Heute" (Ausgabe Juli 2002) spricht Lars Wöckel von der Arbeitsgruppe Essstörungen am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim über die Hirnveränderungen bei PatientInnen mit Magersucht.

Hirnschwund längst bekannt

Dass das Hirngewebe von Anorexie-PatientInnen schwindet, weiß man bereits seit den 80ern. "Solche Entwicklungen sind allerdings meistens rückläufig, wenn sich die PatientInnen wieder normal ernähren", betonte der Wissenschafter. Ob die Verminderung der grauen Hirnsubstanz auch mit geistigen Einbußen verbunden ist, sei indess nicht klar beantwortbar. Fest stünde, dass es bei den häufig überdurchschnittlich intelligenten PatientInnen zu einer Einschränkung der Konzentrationsleistung und der Wahrnehmungsempfindlichkeit kommt, die sich bei Erreichen des sogenannten "Normalgewichts" wieder bessert.

Was nun genau das Gehirn zum Schrumpfen bringt, ist noch nicht im Detail bekannt. Durch Beobachtung des Hirnstoffwechsels mit Hilfe der Magnetresonanz-Spektroskopie wurde bei Anorexie-PatientInnen ein übermäßiger Anteil von cholinhaltigen Bestandteilen festgestellt, der sich etwa bei der Hälfte der PatientInnen nach einer abgeschlossenen "erfolgreichen" Therapie zurückgebildet hatte. Jene PatientInnen, bei denen sich der Cholin-Anteil im Gehirn nicht normalisiert hatte, wurden bei einer Untersuchung ein Jahr nach Therapieabschluss als rückfällig eingestuft. Der Schluss, dass PatientInnen aufgrund der weitreichenden Veränderungen ihres Hirnstoffwechsels nicht zu einem normalen Essverhalten zurückfinden können, liegt laut Wöckel nahe. (red)

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