Aids-Medikamente für werdende Mutter schaden Fötus nicht

14. Juni 2002, 10:22
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Ergebnisse erster großer US-Studie

Boston - HIV-infizierte Frauen brauchen während der Schwangerschaft nicht auf ihre Medikamente gegen Aids zu verzichten. Eine erste große US-Studie mit 3.266 werdenden Müttern hat bei ihren Neugeborenen keinerlei schädliche Einflüsse durch die Mittel festgestellt. Die Untersuchung von Ruth Tuomala am "Brigham and Women's Hospital" in Boston ist im jüngsten "New England Journal of Medicine" veröffentlicht.

Demnach kamen Babys, deren Mütter während der Schwangerschaft den üblichen "Cocktail" von Aids-Mitteln verschiedener Klassen eingenommen hatten, im statistischen Durchschnitt genauso gesund und mit dem gleichen Gewicht zur Welt wie der Nachwuchs von HIV-positiven Müttern, die die Einnahme ausgesetzt hatten. Selbst die Zahl der Frühgeburten war in etwa identisch. In der Gruppe mit behandelten Frauen stellten sich 16 Prozent der Babys vor der 37. Schwangerschaftswoche ein. Bei den nicht behandelten Frauen lag der Anteil solcher Frühgeburten bei 17 Prozent.

Nagender Zweifel

Obwohl HIV-infizierte Schwangere in den USA seit Jahren mit dem üblichen Medikamenten-Cocktail therapiert werden, gab es bisher keinen Nachweis für ihre Unschädlichkeit beim heranwachsenden Kind. "Es gab immer diesen nagenden Zweifel", begrüßte der Direktor des US-Forschungsinstitutes für Allergie und Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, das Ergebnis der Studie. Nach Informationen der Gesundheitsbehörde CDC in Atlanta kommen in den USA jährlich rund 6.000 Babys von HIV-positiven Müttern zur Welt. Zwischen 300 und 400 der Neugeborenen sind HIV-infiziert.

Schweizer Forscher hatten 1998 eine Gruppe mit 30 HIV-positiven Frauen untersucht, die ihre Aids-Therapie in der Schwangerschaft fortsetzten. Die Wissenschafter warnten anschließend, dass die durchgehende Einnahme der Medikamente Frühgeburten begünstige. (APA/dpa)

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