Ermittlungen nach Bombenanschlag in Karachi laufen auf Hochtouren

15. Juni 2002, 14:58
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Unbekannte Extremistengruppe bekennt sich zu der Tat - FBI eingeschaltet

Karachi/Srinagar - Einen Tag nach dem Bombenanschlag in der pakistanischen Hafenstadt Karachi laufen die Ermittlungen auf Hochtouren: Während die Polizei zunächst von einem Selbstmordattentat vor dem US-Konsulat ausgegangen war, verdichteten sich am Samstag Hinweise, wonach die Bombe im Auto einer Fahrschule versteckt gewesen sein könnte und ferngezündet wurde. Die vier offenbar ahnungslosen Insassen kamen ums Leben. Insgesamt wurden bei dem Anschlag, zu dem sich die bisher unbekannte radikal-islamische Gruppe "Al Qanoon" (Das Gesetz) bekannte, elf Menschen getötet und 51 weitere teils schwer verletzt. US-Präsident George W. Bush machte "radikale Killer" verantwortlich.

Die US-Bundespolizei FBI hat sich am Samstag in die Ermittlungen eingeschaltet. Insgesamt beteiligt sich ein 20-köpfiges ausländisches Team an den Untersuchungen. Zu einer ersten Bestandsaufnahme waren die Experten mehr als zwei Stunden am hermetisch abgesperrten Tatort. Das Ausmaß der Zerstörung sei durch den Anschlag so groß, dass es schwer sei, die Ermittlungen in eine bestimmte Richtung zu lenken. Derzeit werde in den Trümmern noch nach Beweisstücken gesucht, erklärten Beamte. Es würden alle Möglichkeiten geprüft, auch eine etwaige Verwicklung von Gruppen, die Verbindungen zur El Kaida, zu militanten Islamisten oder zu Jihad-Mitgliedern haben könnten.

Bombe möglicherweise ferngezündet

Laut einem Polizeisprecher spricht inzwischen einiges dafür, dass die Autobombe in einem Toyota einer örtlichen Fahrschule platziert war. Möglicherweise sei der Sprengsatz per Fernsteuerung gezündet worden, als das Auto an dem Konsulat in der südpakistanischen Stadt vorbeifuhr. Der Innenminister der Provinz Sindh, Mukhtar Sheikh, erklärte, ein Selbstmordanschlag werde nach wie vor nicht ausgeschlossen. "Aber wir untersuchen jetzt auch Hinweise auf eine mögliche Fernzündung." Bestärkt wurde die These durch die Tatsache, dass bisher keine Leiche eines mutmaßlichen Selbstmordattentäters gefunden wurde.

Nach Angaben eines hochrangigen Polizeibeamten wurde die Besitzerin der Fahrschule bereits am Freitag mehrere Stunden lang verhört. Sie habe nach eigenen Angaben "keine Ahnung, ob Terroristen eine Bombe in dem Wagen deponierten oder nicht". Die Fahrlehrerin sei mit drei Schülerinnen auf dem Rückweg zur Schule gewesen, als die Frauen dem Anschlag zum Opfer fielen. Bei dem Attentat kamen insgesamt sechs Frauen und fünf Männer um.

Landesweit begannen Sicherheitsbeamte mit der Suche nach militanten Islamisten verbotener Bewegungen, wie aus Polizeikreisen verlautete. Auch bereits inhaftierte radikale Moslems würden zu dem Anschlag befragt. Dem Polizeichef der Provinz Sindh, Syed Kamal Shah, zufolge ist ein Zusammenhang mit dem Selbstmordattentat auf französische Ingenieure Anfang Mai in Karachi nicht auszuschließen. Bei dem Anschlag, zu dem sich die mutmaßliche Terrororganisation El Kaida bekannte, waren elf Franzosen und drei Pakistanis getötet worden.

Zu diesem vierten Anschlag auf Ausländer in Pakistan seit Jahresbeginn hat sich eine bisher unbekannte Islamisten-Gruppe namens Al-Qanoon (Das Gesetz) bekannt. Sie rief den Heiligen Krieg gegen die USA, deren Verbündete und auch die Regierung Pakistans aus, die sich dem US-Feldzug gegen die moslemischen Feinde westlicher Wertvorstellungen ebenfalls angeschlossen hat.

US-Präsident George Bush sagte, er werde sich von solch "radikalen Killern" nicht beeindrucken lassen. Vorsichtshalber wurden aber die Botschaft und die Konsulate der USA in Pakistan bis Montag geschlossen. Bush sagte am Freitag im texanischen Houston, die Täter hätten keine Rücksicht auf Einzelschicksale genommen. "Diesen Menschen" werde es nicht gelingen, die Vereinigten Staaten einzuschüchtern. Außenminister Colin Powell sagte dem pakistanischen Staatschef Pervez Musharraf die Unterstützung der USA bei der Aufklärung des Anschlags und der Bekämpfung des Terrorismus zu. (APA/Reuters/dpa)

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