USA testen Raketenabwehr im Weltraum

14. Juni 2002, 07:34
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Abfangrakete rast in Sprengkopfattrappe

Washington - Die US-Streitkräfte haben einen weiteren Test ihrer geplanten Raketenabwehr im Weltraum absolviert. Von einem Kriegsschiff im Pazifik aus wurde am Donnerstag eine Abfangrakete abgeschossen, die mehr als 160 Kilometer über der Erde in eine andere Rakete hineinraste und deren Sprengkopfattrappe zerstörte.

Bei dem Test ging es nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums nicht um die realistische Simulation eines feindlichen Angriffs mit einer Interkontinentalrakete. Vielmehr sollten neue Daten gesammelt werden für die weitere Entwicklung eines Raketenabwehrsystems, das einmal auf Schiffen in Bereitschaft gehalten werden soll. Die erste Rakete, ein Geschoss vom Typ "Aries", wurde von der Insel Hawaii aus abgeschossen. Die Abfangrakete startete vom Kriegsschiff "Lake Eerie" aus. Das "Aegis"-Radarsystem an Bord dieses Schiffs ermittelte die Flugdaten der zuerst abgefeuerten Rakete und leitete die Abfangrakete zu diesem Ziel.

Schiffsgestützte Abwehrsysteme sind nur ein Teil der von den USA betriebenen Pläne für eine Nationale Raketenabwehr (NMD). Um dieses Ziel ungehindert weiterzuverfolgen, hat US-Präsident George W. Bush den 1972 mit der Sowjetunion geschlossenen ABM-Vertrag (Anti-Ballistic Missile) gekündigt. Dieser sollte das System der gegenseitigen Abschreckung stützen, indem beide Supermächte auf Abwehrsysteme gegen Langstreckenraketen verzichteten. Die einseitige Kündigung des Vertrags durch die USA wurde am Donnerstag wirksam. Der Test vom gleichen Tag wäre wegen seiner unrealistischen Bedingungen nach Darstellung von Pentagon-Beamten aber nicht unter die Bestimmungen des ABM-Vertrags gefallen. (APA/AP)

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