US-Bischöfe entschuldigen sich bei sexuell Missbrauchten

14. Juni 2002, 06:36
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Opfer berichten auf Bischofskonferenz über seelische und körperliche Qualen

Dallas - Die katholischen Bischöfe in den USA haben sich bei den sexuell missbrauchten Opfern pädophiler Priester öffentlich entschuldigt. Bei der Frühjahrstagung der rund 280 katholischen US- Bischöfe in Dallas (US-Bundesstaat Texas) sagte der amtierende Präsident der Bischofskonferenz, Wilton Gregory, am Donnerstag: "Ich biete hiermit jedem von Ihnen, die von einem Priester oder einem Kirchenangestellten Leid erfahren haben, meine tiefstempfundene Entschuldigung an."

Gregory, Oberhirte aus Belleville (US-Bundesstaat Illinois) fügte hinzu. "Was wir Bischöfe getan und was wir unterlassen haben, hat zu dem Missbrauch beigetragen. Wir werden jede Anstrengung unternehmen, die Kirche durch Ihre (der Missbrauchten) Augen zu betrachten."

Ausmaß des Schadens erkennen

Auch die Opfer pädophiler Priester kamen auf der Tagung zu Wort: "Die Kirche muss das Ausmaß des Schadens erkennen, der den Opfern zugefügt wurde", sagte Craig Martin aus Minnesota, der als Bub von einem Priester sexuell missbraucht worden war. "Alle Geistlichen, die sich an Minderjährigen vergangen haben, müssen aus der Kirche entfernt werden", verlangte Michael Bland. Während die Opfer in drastischen Worten über ihre seelischen und körperlichen Qualen berichteten, schwiegen die fast 300 Bischöfe gebannt, viele mit Tränen in den Augen.

Am Freitag wollten die rund 300 Bischöfe der katholischen Kirche der USA Konsequenzen aus dem Skandal um pädophile Priester ziehen und über ein umstrittenes Positionspapier abstimmen. Danach sollen Priester und andere Kirchenmitarbeiter, die sich an Minderjährigen sexuell vergehen, künftig sofort entlassen werden. Vergehen aus der Vergangenheit sollen von "Fall zu Fall geprüft" werden.

Laien wollen mehr Mitbestimmung

In dem Entwurf wird eine Verantwortung der Bischöfe im Sexskandal nicht angesprochen. Vertreter von Opfern verlangen dagegen auch Maßnahmen gegen Bischöfe, die wissentlich pädophile Priester weiter beschäftigt haben. Außerdem wurde aus Reihen der katholischen Kirche in den USA selbst der Ruf nach einer Beschneidung der Allmacht der Bischöfe und nach mehr Mitbestimmung für Laien laut. Die Machtstruktur der Kirche habe die furchtbaren Vorkommnisse begünstigt, meinten Kritiker.

Seit Anfang der 60er Jahre ist nach Ermittlungen der "Washington Post" mindestens 850 katholischen Priestern vorgeworfen worden, Kinder oder Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. Hunderte von Geistlichen seien entlassen worden, hieß es. Die Kirche soll an Opfer rund eine Milliarde Dollar Entschädigung gezahlt haben. (APA/dpa)

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