Holz ist genial

13. Juni 2002, 21:38
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Die Renaissance des Baustoffs Holz - Österreichs Holzindustrie hat sich zu einer hochmodernen Branche entwickelt

Österreichs großteils kleinbetrieblich organisierte Holzindustrie hat sich zu einer hochmodernen Branche entwickelt. Mit neuen Technologien kam auch die Renaissance des Baustoffs Holz.

Vorfertigung ganzer Bauteile im Werk möglich

Mit der Innovationsfreudigkeit vieler österreichischer holzverarbeitender Betriebe und neuer Holztechnologien bei der Produktion ist es gelungen, die Rationalisierung und Industrialisierung beim Bauen mit Holz zu forcieren. In seiner Leichtigkeit eignet sich speziell der Holzbau zur Vorfertigung ganzer Bauteile im Werk. Anfangs der 90er-Jahre war der Baustoff Holz in Österreich bautechnisch benachteiligt. Die Wende kam mit verstärkten Investitionen in die Holzforschung. Kostenoptimierung in der Produktion und die Erhöhung der Wertschöpfung waren die Motive für die Entwicklung neuer Holzwerkstoffe, die die Leistungsfähigkeit des Ausgangsmaterials Holz steigern sollten. Dazu zählt die Erhaltung der positiven Eigenschaften des Holzes wie sein geringes Gewicht in Relation zur Festigkeit, seine Dauerhaftigkeit, leichte Bearbeitbarkeit, universelle Einsetzbarkeit und positive gesamtökologische Bewertung.

Erhöhte individuelle Gestaltungsmöglichkeit

Durch sorgfältiges Trocknen sowie kreuzweises Verleimen von Brettern, Lamellen und Furnieren kann eine Erhöhung der Dimensionsstabilität erreicht und das Quellen und Schwinden von Bauteilen verhindert werden. Das Ergebnis ist die Ausweitung des Einsatzbereichs und erhöhte individuelle Gestaltungsmöglichkeit, da die Dimension der Holzwerkstoffe nur noch vom Produktionsverfahren und nicht mehr von der Größe des Baumes abhängig ist.

Entwicklung leistungsstarker Holzwerkstoffplatten

Mit der Entwicklung leistungsstarker Holzwerkstoffplatten und ihrer Weiterverarbeitung in der Vorfabrikation setzt auch ein gravierender Wandel weg von den traditionellen Konstruktionsweisen ein. Die Struktur eines Holzbaus besteht längst nicht mehr ausschließlich aus stabförmigen Bauteilen. Balkenlagen und Stützen werden durch flächige Holzwerkstoffe wie Sperrholz, Spanplatten oder Massivholzplatten ersetzt - hergestellt aus Reststoffen oder aus Nebenprodukten, die bei der Verarbeitung von Holz anfallen.

Sogar ganze Raumzellen werden in einer Produktionshalle fertig gestellt

Die Simplizität der Materialien erlaubt beinahe jeden formenden Zugriff mit CNC-gesteuerten Maschinen. Das Vorfertigen von Wand- und Deckenelementen ist längst üblich. Neben plattenförmigen Elementen in der Dimension geschoßhoher Wände und Decken werden unter optimalen Bedingungen sogar ganze Raumzellen in einer Produktionshalle fertig gestellt. Die damit erlangte Witterungsunabhängigkeit in der Produktion bedeutet Effizienz des Arbeitsablaufs, höhere Präzision in der Verarbeitung, das Vermeiden von Bauschäden und Kältebrücken und eine deutliche Verkürzung der Errichtung vor Ort sowie eine "saubere" Baustelle.

Bauabläufe unter Termindruck

Die Raumzellenbauweise eignet sich gut für Bauabläufe unter Termindruck, etwa für die Hotellerie oder Katastrophenhilfe und für temporäre Bauten, die in absehbarer Zeit demontiert und andernorts wieder zusammengefügt werden können. Viele Unternehmen verfügen heute bereits über ein beachtliches Know-how auf dem Gebiet der Vorfertigung. Das kommt Bauherren wie Architekten zugute. Jeder maßgeschneiderte individuelle Entwurf ist mit den Vorteilen des industriellen Holzbaus umsetzbar. Es ist bestimmt kein Zufall, dass Österreich - neben der Schweiz und Deutschland - zu den Vorreitern dieser Entwicklung zählt. Im Gegensatz zu den USA oder Skandinavien, traditionellen Holzbauländern, musste man sich hierzulande einiges einfallen lassen, um Marktanteile aus dem Bereich des Massivbaus zu erkämpfen. (red, DER STANDARD, Printausgabe, 14.6.2002)

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