Wassererwärmung nagt am antarktischen Eispanzer

30. Juni 2002, 20:00
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Satellitenaufnahmen zeigen: Gletscher schwinden überall, wo sie mit Meereswasser in Berührung kommen

Washington - Antarktische Gletscher schmelzen schneller als gedacht - und zwar an ihrer Unterseite. Satellitenaufnahmen zeigen, dass einige Gletscher am Rand der antarktischen Eisdecke rapide an Ausmaß verlieren. Als Ursache haben US-Forscher eine Zunahme der Meerestemperatur ausgemacht. Überall dort, wo die Unterseite der Gletscher mit dem Meereswasser in Berührung komme, beschleunige sich die Schmelzrate um einen Meter Eis pro 0,1 Grad Celsius erhöhter Wassertemperatur, heißt es im US-Wissenschaftsmagazin "Science".

Auf den Zusammenhang zwischen Meerestemperatur und Schmelzrate stießen Eric Rignot vom California Institute of Technology (Pasadena) und sein Kollege Stanley Jacobs vom Lamont-Doherty Erd-Observatorium der Columbia Universität (New York) bei radar-interferometrischen Messungen. Danach beträgt die Schmelzrate am Untergrund der Gletscher zwischen weniger als vier und mehr als 40 Meter pro Jahr. Am schnellsten von den 23 Gletschern der Antarktis schmelze der Pine Island Glacier am Bellingshausen-Meer, gefolgt vom Thwaites-Gletscher in der Nähe des Amundsen-Meeres. Am unteren Ende der Schmelztabelle - und damit am stabilsten - ist unter anderem der Stancomb-Wills-Gletscher.

Die Meerestemperaturen im weiteren Umkreis um das Schelfeis des antarktischen Kontinents sind nach Ergebnissen anderer Forscher in den vergangenen Jahrzehnten um etwa 0,2 Grad Celsius gestiegen. Die dadurch beschleunigte Schmelzrate "könnte der Auslöser des rapiden Verlustes des Schelfeises im westlichen Amundsen-Meer sein", schreiben die Autoren des "Science"-Artikels. (APA/dpa)

Vgl. "Science", (Bd. 296, S. 2020)
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