Zukunftsenergie: Kohle

13. Juni 2002, 19:38
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Altbekanntes Prinzip feiert Comeback: "Unterirdische Kohlevergasung" verspricht sauberen Brennstoff

London - Ausgerechnet Kohle, der schmutzigste der fossilen Brennstoffe, soll der Energieträger der Zukunft werden, fast unerschöpflich, umweltfreundlich und billig. Dazu muss sie sich nur verwandeln, und zwar dort, wo sie liegt, tief im Erdboden, wo sie mit traditionellem Bergbau nicht erschließbar ist. Aber anbohren und anzünden kann man die Lager, und das entstehende Gas kann nach oben geleitet und in Kraftwerken genutzt werden.

Das Prinzip der Kohlevergasung ist lange bekannt - unter hohem Druck und Hitze setzt Kohle vor allem Methan und Wasserstoff frei -, es wurde auch bei der Produktion von "Stadtgas" angewandt, bis dieses durch billigeres Erdgas verdrängt wurde. Nun soll es in Gestalt der "unterirdischen Kohlevergasung" wieder auferstehen: Man presst durch einen Schacht Dampf und Sauerstoff weit nach unten und lässt durch einen zweiten Schacht die Gase herauf. Unten ist kein Mensch, stattdessen bleibt die Asche dort.

Auch das ist im Prinzip nicht neu, in den 30er-Jahren wurde in Usbekistan eine solche Anlage errichtet, die heute noch arbeitet. Aber es geriet lange in Vergessenheit, erst in den 80er-Jahren versuchte man sich in den USA mit der Technik, hatte aber wenig Erfolg. Besser lief ein EU-Test in den 90er-Jahren im spanischen Alcorisal, wo man Flöze in 500 bis 700 Metern Tiefe erschloss.

Inzwischen wird überall dort geforscht und getestet, wo viel Kohle lagert, in China, Australien und Großbritannien, das gerade über den Standort für eine Pilotanlage entscheidet. Dort soll die Technik verbessert werden - es ist nicht einfach, die Kohle am Glühen zu halten -, dort soll sich auch zeigen, ob das Versprechen der "sauberen Kohle" zu halten ist: Theoretisch kann man aus den heraufströmenden Gasen die giftigen und umweltschädlichen abscheiden - und gleich wieder hinabpumpen -, in der Praxis ist es nicht erprobt.

Auch die Risiken sind wenig erforscht, die unterirdische Kohlevergasung bedroht - mit krebserregenden Verbrennungsprodukten - das Grundwasser. Nach dem Test in den USA musste es mit hohem Aufwand gereinigt werden. (jl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 6. 2002)

New Scientist, Nr. 2345, S. 42
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