Russischer Sargnagel für Klimafahrplan

13. Juni 2002, 19:03
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Jetzt ist es fix: Kyoto-Protokoll bis zum Weltumweltgipfel in Johannesburg definitiv nicht in Kraft

Bonn - Das Kyoto-Protokoll zum internationalen Klimaschutz wird zum Weltumweltgipfel in Johannesburg definitiv nicht in Kraft treten können. Von Seiten Russlands, dessen Teilnahme erforderlich ist, sei auf dem Gipfel bestenfalls ein "positives Signal" zu erwarten, wann das Protokoll ratifiziert werde, sagte die Leiterin des UN-Klimasekretariats, Joke Waller-Hunter, am Donnerstag in Bonn. Terminangaben von russischer Seite habe es auf einer Bonner UN-Arbeitskonferenz nicht gegeben.

Bisher hätten 74 Länder - darunter die EU und Japan - das Protokoll ratifiziert, sagte die Niederländerin. Auf sie entfielen im Basisjahr 1990 insgesamt 35,8 Prozent des Ausstoßes an Kohlendioxid (CO2). Damit sei zwar notwendige Zahl der Länder (55) erreicht, nicht aber die erforderliche Höhe des Ausstoßes (mindestens 55 Prozent des Ausstoßes an CO2 der Industrieländer). Um dieses Ziel zu erreichen wird Russland zwingend gebraucht. Das Protokoll von 1997 sieht eine Verminderung der wichtigsten Treibhausgase in Industrieländern bis 2012 (im Vergleich zu 1990) um durchschnittlich 5,2 Prozent vor.

Die nächste Ebene

Auf dem Weltgipfel in Johannesburg (26. August bis 4. September) werde nicht mehr grundsätzlich über Klimaschutz verhandelt werden, sagte Waller-Hunter. Hier seien die Weichen mit dem Kyoto-Protokoll erst einmal gestellt. Jetzt komme es darauf an, die konkreten Regelungen festzulegen, auf welchen Wegen die vereinbarte Verringerung der Treibhausgas-Emissionen erreicht werden sollen.

Diesem Ziel habe auch die zehntägige Bonner Arbeitskonferenz gedient, die ohne nennenswerte Differenzen verlaufen sei. Ungeachtet ihrer grundsätzlichen Ablehnung des Kyoto-Protokolls hätten die USA dabei eine "sehr konstruktive Rolle" gespielt. Ihr jüngst vorgelegter nationaler Bericht sei auch ein gutes Zeichen. Es handele sich dabei um einen offiziellen Bericht an die UN. Wie ihn US-Präsident George W. Bush, der sich negativ geäußert hatte, beurteile oder kommentiere, sei dabei nicht relevant.

"US Climate Action Report 2002"

In dem Bericht "US Climate Action Report 2002" wurde entgegen zuvor geäußerten Zweifeln Bushs von wissenschaftlicher Seite eingeräumt, dass Klimaerwärmung wahrscheinlich von Menschen durch Verbrennen von fossilen Energieträgern verursacht werde und dies negative ökologische Folgen auch für die USA habe. Allerdings hatte Washington empfohlen, den Klimawandel als unausweichlich zu akzeptieren.

Eines der zentralen Ergebnisse der Bonner Konferenz sei gewesen, dass auf UN-Ebene der weitere Klimaschutzprozess ungeachtet politischer Positionen auf Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnissen ablaufen solle, sagte der Klimaexperte der Umweltorganisation Germanwatch, Christoph Bals. (APA/dpa)

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    Joke Waller-Hunter

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