Keine Lizenz für Tirol

17. Juni 2002, 20:46
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Die Klage des Bundesligisten wurde vom Schiedsgericht abgelehnt

Wien - Die österreichische Fußball-Bundesliga startet am 10. Juni endgültig ohne Meister FC Tirol. Das Ständige Neutrale Schiedsgericht der Fußball-Bundesliga hat am Montag in Wien die Klage der Innsbrucker gegen die freiwillige Verzichtserklärung ihres Präsidenten Othmar Bruckmüller abgewiesen und damit die von Tiroler Seite erhoffte Klage gegen die negative Entscheidung vom 6. Juni unmöglich gemacht. Damit bleibt den Tirolern die Lizenz für die Saison 2002/03 verwehrt, der Klub muss in den Landesverband absteigen.

Bis heute keine 4,5 Millionen Euro Eigenmittel

Der mit kolportierten 16 bis 20 Mio Euro verschuldete Meisterklub aus Innsbruck hatte am 30. April die Lizenz erhalten, allerdings mit der Auflage, dass bis zum 31. Mai 4,5 Mio Euro Eigenmittel zuzuführen sind. Bruckmüller hatte freiwillig eine Verzichtserklärung unterschrieben, sollte er diese Summe nicht bis zum genannten Stichdatum aufbringen können. Trotz mehrmaliger mündlicher und schriftlicher Beteuerungen ist diese Summe aber bis heute nicht wie gefordert auf einem zugänglichen Konto deponiert worden. Am 6. Juni hatte der Senat 5 daraufhin dem Klub die Lizenz verweigert, seitdem liefen in Innsbruck mehrere Rettungsversuche für den Verein.

Verzichtserklärung greift

"Die Entscheidung bedeutet, dass die Verzichtserklärung greift. Der FC Tirol erhält keine Lizenz und scheidet aus der Bundesliga aus", sagte Bundesliga-Vorstand Reinhard Nachbagauer. Der Verein solle nun versuchen, für die Regionalliga West eine sportliche und wirtschaftliche Basis zu finden, so Nachbagauer. Laut Nachbagauer hätten die Tiroler auch auf dem Zivilrechtsweg keine Chance mehr, die Lizenz zu erhalten, weil ein ordentliches Gericht den Antrag wegen Unzuständigkeit zurückweisen müsse.

Auflagen rechtmäßig erteilt

Als Hauptbegründung führte das Schiedsgericht unter Vorsitz von Dr. Walter Schrammel an, dass die Auflage des Senats 5 rechtmäßig erteilt worden ist. Insbesonders verwies das Schiedsgericht in seiner Begründung darauf hin, dass laut dem Gutachten von Reorganisationsprüfer Rene Xsaxner zum Zeitpunkt der Auflagenerteilung noch keine Insolvenzgefahr bestanden habe.

Diese Auflage sei auf Basis der Lizenzierungsbestimmungen erfolgt und darauf ausgerichtet gewesen, den Spielbetrieb für die Saison 2002/03 zu sichern. Außerdem sei sei die von Tirol nun beeinspruchte Verzichtserklärung auf Ersuchen und im Interesse des Vereins selbst abgegeben worden.

Folgen des Lizenzentzugs

Die Folgen der Lizenzentziehung sind vermutlich umfangreich. Vizemeister SK Sturm Graz nimmt voraussichtlich den Platz der Tiroler in der dritten und letzten Qualifikationsrunde der Champions League ein, an Stelle von Sturm kommt der GAK in der zweiten CL-Qualirunde zum Einsatz. Für Cupsieger GAK rückt der Meisterschafts-Vierte Austria Wien direkt in die UEFA-Cup-Hauptrunde auf. Der Bundesliga-Fünfte FC Kärnten kommt erneut in den Europacup und ist in der UEFA-Cup-Qualifikation Die Bundesliga muss der UEFA bis 14. Juni die Europacup-Starter nennen. Das letzte Wort hat aber die UEFA.

Sportklub steigt auf

Auch in der heimischen Meisterschaft gibt es demnach einige Änderungen: Admira Wacker Mödling bleibt der Abstieg aus der obersten Spielklasse erspart, die Niederösterreicher sind statt den Tirolern der zehnte Verein der T-Mobile-Bundesliga. In der Ersten Division, die durch die Einstellung des Spielbetriebs von Braunau keinen Absteiger hatte, wäre damit auch der FC Lustenau gerettet. Die Relegations-Spiele gegen den Wiener Sportclub wären somit ohne Bedeutung, der Traditions-Klub aus der Bundeshauptstadt wäre Aufsteiger. (APA)

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