WAZ: Kein Angebot für KirchMedia abgegeben

13. Juni 2002, 18:01
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Viele Fragen offen - Lediglich "unverbindliche Interessensbekundung"

Die WAZ-Mediengruppe hat nach einem Bericht der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" bisher kein konkretes Angebot für die insolvente KirchMedia abgegeben. "Aus Sicht der Geschäftsführung kann von einem formalen Angebot unter Einschluss konkreter Zahlen überhaupt keine Rede sein", schreibt die WAZ am Donnerstag. Commerzbank-Sprecher Peter Pietsch habe zuvor der WAZ bestätigt, die WAZ-Gruppe habe mit dem Hollywood-Studio Columbia Tristar ein erstes Angebot zur Übernahme von KirchMedia abgegeben. Genannt werde darin ein Volumen von 1,8 bis 2,5 Mrd. Euro (etat.at berichtete). Dies gelte "aus heutiger Sicht" und sei als "Indikation" zu verstehen, gibt die Zeitung den Sprecher wieder.

"Unverbindliche Interessensbekundung"

Die WAZ-Geschäftsführung habe der Investmentbank UBS Warburg in London, die den Verkauf der Kirch Media steuert, lediglich eine "unverbindliche Interessensbekundung" übermittelt, schreibt die WAZ. Aus WAZ-Kreisen war am Donnerstag zu hören, es seien bezüglich des Einstiegs bei KirchMedia noch viele Fragen ungeklärt. Es herrsche auch noch Skepsis vor, was die Werthaltigkeit von KirchMedia betreffe.

Bei Einigung Konsortialvertrag

Die Commerzbank hatte am Mittwoch ihr Interesse an einem Einstieg bei KirchMedia mit dem TV-Konzern ProSiebenSAT.1 und dem Rechtehandel bekundet. Dies sei auf einer Sitzung des Vorstands entschieden worden, sagte eine Sprecherin am Mittwoch. Ob das Kirch-Kerngeschäft allerdings tatsächlich in einem Konsortium mit der WAZ-Gruppe und dem US-Filmstudio übernommen werde, sei noch ungewiss. "Wir haben unser Interesse schriftlich bekundet und darin diese Möglichkeit aufgeführt", betonte die Sprecherin. Derzeit liefen Gespräche. Im Falle einer Einigung werde noch in dieser Woche ein Konsortialvertrag unterschrieben. Sie will die Gesellschaft im Falle einer Übernahme in eine Aktiengesellschaft umwandeln und an die Börse bringen.

Offen für weitere Partner

Der Commerzbank-Vorstand soll am Dienstagabend grünes Licht für ein mögliches Angebot gegeben haben. "Für weitere Partner sind wir offen", sagte ein Sprecher. Es hätten sich bereits Interessenten gemeldet. "Dies sind der Bauer Verlag, die Rewe-Gruppe und WCM." Auf die jetzigen Gesprächspartner sei die Commerzbank somit nicht angewiesen, mehr als fünf Partner machten aber keinen Sinn. Sollte es bei der Dreier-Lösung bleiben, würden die Commerzbank und die WAZ je 40 Prozent halten und Columbia die restlichen 20 Prozent. Das Kirch-Kerngeschäft sei 1,8 bis 2,5 Mrd. Euro wert. Die Schulden der KirchMedia bezifferte er auf mehr als drei Mrd. Euro. Die Commerzbank gehört zu den größeren Gläubigern der KirchGruppe.

Die Äußerungen zu weiteren Interessenten und die Pläne für eine Umwandlung in eine AG seien bei der WAZ-Gruppe mit Erstaunen zur Kenntnis genommen worden, schreibt die WAZ. "KirchMedia könnte reizvoll sein, aber nicht um jeden Preis und zu allen Bedingungen." (APA/dpa)

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