FPÖ in Rot

13. Juni 2002, 21:11
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Im knallroten Kostüm trat Susanne Riess-Passer auf dem Parteitag auf. Bodenständig, in roten Schuhen präsentierte Jörg Haider seinen frontalen Angriff auf die Banken. Nur ein Designkniff? Die FPÖ denkt sich fast immer mehr - in diesem Fall ist es der Versuch einer Solidarisierung mit den Interessen der arbeitenden Menschen, die von den Geldinstituten in den Augen der Freiheitlichen (und nicht nur aus dieser Sicht) betrogen wurden.

Aber Haiders Berater wissen auch: Die Farbe Rot wurde für den heurigen Sommer auf den Modeschauen propagiert. Sogar rote Herrenschuhe im klassischen Stil gibt es, zur Fußtritt-Symbolik allerdings passen die klobigeren dieses Auftritts besser. Die Bänder sind ein Stilbruch.

Das einfache Parteimitglied, das sich an die einfachen Menschen richtet, unterstreicht damit wieder einmal ein politisches Marketing, dessen Motive in das autoritäre Italien der Zwischenkriegszeit zurückweisen. Die traditionell hohe Design-Neigung hatte parallel zum Futurismus in den 20er-Jahren auch die Politik erfasst und die mediale Wirkung beeinflusst.

Bei den Auftritten Haiders wird trachtige Bodenständigkeit oder modische Aktualität fast immer mit technisch-coolem Mobiliar kombiniert - wie auch

bei dieser Präsentation eines sehr professionellen Pamphlets. Möglicherweise wird damit bereits der neue Wahlkampfstil der FPÖ vorweggenommen. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.6.2002)

Gerfried Sperl
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