Zweitägiger Postbusstreik fix

14. Juni 2002, 20:34
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ÖGB-Präsident macht Grasser und Reichhold für Postbuszukunft verantwortlich - Vorstand droht mit Sanktionen

Wien - Ein weiterer Streik bei der österreichischen Postbus AG scheint nunmehr fix. 93 Postbus-Betriebsräte haben am Freitag in einer Versammlung bereits erste Vorbereitungen zum Streik beschlossen. Nach dem eintägigen Warnstreik in der vorvergangenen Woche sollen alle 1.600 Postbusse nun im laufenden Monat ein weiteres Mal still stehen - diesmal für mindestens zwei Tage. Vermutungen in der Unternehmensführung gehen in die Richtung, dass bereits nächste Woche gestreikt werden soll.

Unterstützung erhält der Postbus-Betriebsrat in seinen Kampfmaßnahmen von Seiten des ÖGB. ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch erklärte am Freitag vor den Betriebsräten, die Proteste richteten sich gegen parteipolitisch motivierte Pläne, das Unternehmen unter dem Titel "mehr Privat weniger Staat" zu zerschlagen. Gezielt kritisierte er in diesem Zusammenhang Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Verkehrsminister Mathias Reichhold (beide F). Die beiden seien "eindeutig verantwortlich" für die Zerschlagung der Postbus AG.

"Kampf für Postbus und die Kunden"

Dass mit den Protesten nicht die Regierung, sondern vielmehr das Unternehmen Postbus geschädigt werde, wies Verzetnitsch zurück. Die Proteste richteten sich weder gegen das Unternehmen, noch gegen dessen Kunden. Im Gegenteil: Vielmehr kämpfe man für das Unternehmen, für die Kunden und vor allem für die Erhaltung des öffentlichen Nahverkehrs, so Verzetnitsch.

Die Postbus AG könne möglicherweise bis Ende 2003 bereits positiv bilanzieren. Dazu brauche man aber einen Eigentümer, der zu seinem Unternehmen stehe. Statt lukrative Linien zu veräußern, sollte der Eigentümer auch in Zukunft die Erfüllung des Versorgungsauftrages im Auge haben, fordert der ÖGB-Präsident. Von einem österreichweiten Postbusstreik sind insgesamt 500.000 Fahrgäste betroffen - 400.000 davon allein Schulkinder und Lehrlinge.

Der Postbus-Betriebsrat versucht, damit die Teilprivatisierung des Postbusses zu verhindern. Die Regierung plant, den Postbus zunächst zu 100 Prozent an die ÖBB zu übertragen, um anschließend 30 Prozent an Private weiterzuveräußern. Der Betriebsrat fürchtet dabei den Abbau von 1.000 Arbeitsplätzen und die Einstellung unrentabler Linien. Die Regierung weist dies zurück und begründet die Teilprivatisierung mit kartellrechtlichen Vorgaben, was wiederum der Postbus-Betriebsrat bestreitet. Eine Einigung scheint vorerst nicht in Sicht.

Vorstand droht mit Sanktionen

Die Unternehmensleitung droth mit Sanktionen für die Mitarbeiter. "Das Unternehmen ist strikt gegen die Streiks und will das nicht sang- und klanglos hinnehmen", sagte Unternehmenssprecherin Barbara Tichy. Überlegt wird, ob an den Streiktagen an die rund 3.000 Postbusbedienstete kein Gehalt ausbezahlt werden soll. Die Streikenden können sich allerdings in diesem Fall an die Streikkasse des ÖGB wenden. Diese würde den Lohnentgang dann ersetzen. Gleichzeitig versucht der Postbus-Vorstand auch wieder Ersatzbusse für den Streiktag aufzutreiben. Bis zu 100 Busse könnten von Privaten angemietet werden. Dies würden allerdings zum Großteil im Stadt- und Werksverkehr eingesetzt werden. Von den regulären Postbuslinien würden voraussichtlich wieder nicht mehr als 5 Prozent aufrecht erhalten werden können, so Tichy weiter. (APA)

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