Bischöfe zu Zugeständnissen bereit

13. Juni 2002, 16:40
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Opfer von pädokriminellen Priestern trafen mit US-Bischöfen zusammen - Positionspapier liegt vor

Dallas - Bereits vor dem offiziellen Auftakt der Tagung katholischer Bischöfe in den USA sind in Dallas im Bundesstaat Texas überraschend mehrere Opfer von pädokriminellen Priestern mit Bischöfen zusammengetroffen. Wie US-Medien berichteten, informierten am Mittwoch etwa zwei Dutzend der Opfer hinter geschlossenen Türen die Geistlichen persönlich über die verheerenden Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs. Das Treffen wird als Zeichen dafür gewertet, dass die versammelten Bischöfe dazu bereit sind, Zugeständnisse zu machen.

Wiederherstellung des Vertrauens

"Wir können hier den Skandal nicht beenden", sagte der Präsident der amerikanischen Bischofskonferenz, Bischof Wilton Gregory aus Illinois, "aber Dallas muss ein wichtiger Schritt zur Wiederherstellung des Vertrauens zwischen Bischöfen und Gläubigen sein". Zu der mit Spannung erwarteten dreitägigen Frühjahrstagung der rund 280 katholischen Bischöfe reisten mehr als 800 Medienvertreter aus dem In- und Ausland an. Gruppen von Priester-Opfern sowie Vertreter von Homosexuellen und lesbischen Katholiken wollen in Dallas demonstrieren.

Positionspapier

Bei ihrer Konferenz wollen die Geistlichen über Konsequenzen aus dem Sexskandal um Priester beraten, der sich in den vergangenen Monaten immer mehr ausgeweitet hat. Auf dem Tisch liegt ein Positionspapier, nach dem künftig Priester und andere Kirchenmitarbeiter, die sich an Minderjährigen sexuell vergehen, sofort entlassen werden. Nach einer Studie der Zeitung "Dallas Morning News" haben rund zwei Drittel der katholischen US-Bischöfe Priester weiter beschäftigt, denen sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde. Darunter auch die Mehrheit der acht Bischöfe, die das neue Positionspapier entworfen hat.

Seit Anfang der 60er Jahre ist nach Ermittlungen der "Washington Post" mindestens 850 katholischen Priestern vorgeworfen worden, Kinder oder Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. Hunderte von Geistlichen seien entlassen worden, hieß es. Die Kirche soll an Opfer rund eine Milliarde Dollar Entschädigung gezahlt haben. (APA/dpa)

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