EZB sieht Licht am Konjunkturhimmel

13. Juni 2002, 15:28
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Zinserhöhung in Sicht - Bereits für 2003 Wirtschaftswachstum von 2,1 bis 3,1 Prozent erwartet

Frankfurt - Der Konjunkturhimmel hat sich nach Meinung der Europäischen Zentralbank (EZB) wieder aufgehellt. Bereits für 2003 rechnet die Zentralbank in der Eurozone mit einem realen Wirtschaftswachstum von 2,1 bis 3,1 Prozent. Zugleich betont die EZB Risiken für die Preisstabilität und stimmt die Öffentlichkeit in ihrem Juni-Bericht auf baldige Zinserhöhungen ein.

Die entscheidenden Impulse für mehr Wachstum sehen die Konjunkturexperten des Eurosystems im Export. Wegen der günstigen Entwicklung der Weltwirtschaft könnten die Ausfuhren im kommenden Jahr sogar zwischen 4,5 und 7,7 Prozent zulegen. "Gestützt durch das verbesserte außenwirtschaftliche Umfeld dürfte sich die Erholung in allen Komponenten der inländischen Nachfrage widerspiegeln", heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Jahresbericht.

Entwicklung der Ölpreise als Risiko

Risiken für die Konjunkturerholung sehen die EZB-Experten allerdings "nach wie vor" in der künftigen Entwicklung der Ölpreise und Ungleichgewichten in anderen Teilen der Weltwirtschaft. Damit spielen die Volkswirte von EZB-Präsident Wim Duisenberg auf die riesigen Defizite in der amerikanischen Leistungsbilanz an. Angesichts des schwachen ersten Halbjahres wird für 2002 nur ein Wachstum im Eurogebiet zwischen 0,9 und 1,5 (2001: 1,5) Prozent unterstellt.

Der günstigen Prognose für den generellen wirtschaftlichen Trend stehen allerdings negative Tendenzen an der Preisfront gegenüber. Die Aussichten für die Preisstabilität blieben auf mittlere Sicht ungünstiger als noch vor einigen Monaten angenommen. Auf alle Fälle dürfte der Anstieg der Verbraucherpreise im europäischen Währungsgebiet 2002 höher liegen als die von der EZB angepeilte Obergrenze von zwei Prozent. Nun erwartet sie eine Inflation zwischen 2,1 bis 2,5 Prozent, nachdem sie im Dezember noch einen Preiskorridor von 1,1 bis 2,1 Prozent unterstellt hatte.

Wachsende Inflationsgefahr

Der deutliche Hinweis auf die wachsenden Inflationsgefahren werden in der Kreditwirtschaft als eindeutige Vorbereitung für eine baldige Anhebung der EZB-Zinsen gewertet. Bereits für das 3. Quartal erwarten die Volkswirte der Großbanken eine Erhöhung des wichtigsten Zinssatzes von derzeit 3,25 auf 3,50 Prozent.

Auch die Gewinne werden nach Ansicht der EZB wieder zulegen. Durch die zunehmende Arbeitsproduktivität dürften die Lohnstückkosten geringer ansteigen als die Lohnerhöhungen. "Im Laufe des Jahres 2002 bleiben die Gewinnspannen den Projektionen zufolge moderat, erhöhen sich aber im späteren Verlauf des Projektionszeitraums, wenn die Konjunktur an Fahrt gewinnt, wodurch sich die Einbußen der Jahre 2001 und 2002 umkehren."(APA/dpa)

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