"Eigentlich sind wir wie eine Familie"

13. Juni 2002, 15:23
posten

Teil 3: Nach der Modeschule Hetzendorf wanderte Annette Beaufaÿs nach Australien aus und reüssierte in Sydney als Modedirectrice. Zurück in Wien, machte sich die gebürtige Westfälin belgischer Herkunft zunächst selbstständig, seit 1993 leitet sie die Kostümwerkstätten der Österreichischen Bundestheater.

Mit dem in Australien verdienten Geld eröffnete Annette Beaufaÿs in Wiens City zwei Boutiquen, die sich beide rasch zu Szenetreffpunkten entwickelten. 1973 trat André Heller in Boutique und Laufbahn von Beaufaÿs ein und überredete sie zu ihrem ersten Engagement als Kostümbildnerin für den "Circus Roncalli". Arbeiten für "Flic Flac" und "Begnadete Köper" folgten. Ab 1981 arbeitete Beaufaÿs auch für den Film, in Österreich etwa mit Michael Haneke und Axel Corti.

Als zunächst freischaffende Kostümbildnerin war sie für weit über hundert Produktionen in Theater, Oper, Film und Fernsehen in Europa, Japan und China verantwortlich. Aber auch der traditionelle österreichische Kulturbetrieb wurde von Beaufaÿs, etwa mit Ausstattungen für Neujahrskonzert, Opernball oder Bregenzer Festspiele, mehr als nur "geschmückt".

Seit 1993 ist sie Leiterin der Kostümwerkstätten der Österreichischen Bundestheater, der heutigen Art for Art Theaterservice GmbH. Seit sie die Kostümabteilung des ehemaligen Österreichischen Bundestheaterverbandes übernommen und reorganisiert hat, haben sich die Werkstätten mit ihren 150 Mitarbeitern zu einem professionell gemanagten Betrieb entwickelt, der sich am Markt nicht zu verstecken braucht. Statt durchschnittlich 130 Stunden braucht ein Kostüm heute nur mehr dreißig bis vierzig Stunden. Jeder hat seine eigene Nähmaschine, es ist hell und freundlich, und es gibt auch keine Wartezeiten mehr.

Beim Ausgliederungsprozess ging Beaufaÿs systematisch und zielstrebig vor: "Die Trennung einer solchen Firmenkonglomeration birgt sehr viel Aggressionspotenzial - das musste man auch wieder wegkriegen", berichtet sie.

Empowerment, Hausverstand und kaufmännisches Know-how - mit diesem Mix schaffte Beaufaÿs die erfolgreiche Transformation eines Bundesbetriebes in ein Profit-Center. "Wir können alles herstellen, was aus Fantasie Wirklichkeit macht", verspricht "Art for Art" heute - und orientiert sich zunehmend auch am Film. "Wir wollen von Wien aus geschlossen auf den Film losmarschieren - die im Osten haben die Schauplätze, wir haben das handwerkliche Know-how, die Erfahrung und den Fundus", erklärt die Managerin selbstbewusst.

Auf ihr Angebot "Wir können Gedanken lesen" greifen immer mehr Filmgesellschaften und Werbeagenturen zurück. Zuletzt wurden Spots für Disney, Microsoft und Generali ausgestattet. Eine besondere Herausforderung ist und bleibt natürlich die Arbeit für die verbundenen Häuser sowie für die Salzburger Festspiele, das Festspielhaus St. Pölten und die Oper in Zürich. Für die New Tokyo Opera arbeitet man genauso wie für kleine Theater oder die Seebühne in Mörbisch.

Angesichts ihrer wirtschaftlichen Erfolge ist es kein Wunder, dass Beaufaÿs dem heimischen Modenachwuchs die Wichtigkeit wirtschaftlichen Know-hows ins Stammbuch schreibt.

Die fundierte Ausbildung, die Beaufaÿs für den Modenachwuchs sicherstellen will, ist zweifellos auch ein Fundament ihrer bemerkenswerten Karriere. Ein anderes ihre soziale Kompetenz. Zu ihrem Team hat Beaufaÿs ein inniges Verhältnis: "Wir haben uns richtig gern, die Tür ist immer offen, und ich sitze meistens dort, wo die Arbeit getan wird."- Ein Verhältnis, das allerdings nicht ohne Einschränkungen ist, denn: "Ich bin menschenfreundlich, wenn alle mitmachen, flexibel und kreativ sind." Im Klartext: Wer nicht kooperiert, hat bei ihr nur einen kurzen Auftritt.

Share if you care.