Djukanovic erhält von Zeitung 15.500 Euro "Schmerzensgeld"

13. Juni 2002, 15:35
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Wegen Zigarettenschmuggel-Bericht - Montenegros Opposition fordert Rücktritt

Belgrad/Podgorica - Die Tageszeitung "Dan" aus Podgorica muss dem montenegrinischen Präsidenten Milo Djukanovic umgerechnet 15.500 Euro als Entschädigung für "seelische Schmerzen" zahlen. Diese Schmerzen seien durch die Übernahme von Artikeln aus der kroatischen Wochenzeitung "Nacional" über die Verstrickungen von Djukanovic in den internationalen Zigarettenschmuggel. Das hat ein Gericht in der Hauptstadt Podgorica entschieden, berichten die örtlichen Medien am Donnerstag.

Die "Dan"-Anwältin wolle Berufung eingelegen, meldete die Nachrichtenagentur Beta. Vor einigen Monaten wurde ebenfalls nach einer Klage des Präsidenten der frühere "Dan"-Chefredakteur Vladislav Asanin zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt, weil er die "beleidigenden" kroatischen Artikel übernommen hatte. Italienische Justiz ermittelt weiter

Die montenegrinische Oppositionskoalition "Gemeinsam für Jugoslawien" hat Präsident Milo Djukanovic zum Rücktritt aufgefordert. Die Forderung wurde mit den Ermittlungen begründet, die in der süditalienischen Stadt Bari gegen den montenegrinischen Präsidenten wegen Beteiligung am Zigarettenschmuggel eingeleitet worden waren.

Nach den Angaben italienischer Medien wird Djukanovic die "Teilnahme an einer Mafiavereinigung zwecks internationalen Zigarettenschmuggels" angelastet. Italienische Justizbehörden haben die Ermittlungen offiziell allerdings nicht bestätigt.

Amtsenthebungsverfahren Die größte Oppositionskoalition will ein Verfahren zur Amtsenthebung von Djukanovic im Parlament einleiten, sollte der Präsident auf die Aufforderung der Opposition nicht reagieren, meldeten Medien unter Berufung auf die montenegrinischen Oppositionskreise. Der Antrag der Opposition soll demnach auch vom Liberalen Bund, dem bisherigen Bündnispartner der Regierungskoalition, unterstützt werden.

Journalist soll gegen Djukanovic aussagen

Der kroatische Journalist Ivo Pukanic dürfte auf Aufforderung des Staatsanwaltes in der süditalienischen Stadt Bari, Giovanni Scelsi, gegen den montenegrinischen Präsidenten Milo Djukanovic aussagen, berichtet die montenegrinische Tageszeitung "Dan". Scelsi hatte nach italienischen Medienberichten Ermittlungen gegen Djukanovic wegen dessen vermeintlichen Verwicklung in den Zigarettenschmuggel eingeleitet. Pukanic hatte im Vorjahr in der Zeitschrift "Nacional" eine Artikelreihe über den Zigarettenschmuggel auf dem Balkan veröffentlicht und dabei auch auf die Verwicklung von Djukanovic in die gewinnträchtigen Geschäfte hingewiesen.

"Ich werde in ein paar Wochen nach Bari reisen", erklärte Pukanic für das montenegrinische Oppositionsblatt "Dan". Auch habe er am Mittwoch ein längeres Gespräch mit Scelsi geführt. Pukanic soll nach Veröffentlichung der Artikelreihe mehrmals Morddrohungen erhalten haben. Anfang Mai hatte er auch auf seine Teilnahme am Jahreskongress des Internationalen Presse Instituts (IPI) in Laibach verzichtet.

Die Amtszeit von Djukanovic läuft im Jänner 2003 ab. Die Präsidentschaftswahlen sollen im Oktober abgehalten werden. (APA/dpa)

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