Deutsche Studien: Akupunktur kann Geburt erleichtern

13. Juni 2002, 14:26
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Wie es zu den geburtserleichternden Veränderungen kommt, ist allerdings noch unklar

Hamburg - Die Geburt des ersten Kindes ist bei den meisten Frauen eine oft langwierige Geschichte. Bis sich das Baby seinen Weg gebahnt hat, vergehen manchmal bis zu 20 Stunden. Für einen solchen Marathon gibt es aber eine Abkürzung: die geburtsvorbereitende Akupunktur. Wie Studien der Universitäten Heidelberg und Berlin ergaben, verringert eine solche Therapie die Geburtsdauer im Durchschnitt um mehr als zwei Stunden. Deswegen lassen sich inzwischen etwa ein Drittel der Erstgebärenden "nadeln", schätzen ExpertInnen. Warum die Akupunktur bei der Geburt hilft, können die ÄrztInnen indes nicht eindeutig sagen.

Schlaflose Nächte

Dabei werden die Frauen von der 36. Schwangerschaftswoche an (also einen Monat vor Geburtstermin) einmal wöchentlich an der Hand, der seitlichen Wade und dem kleinen Zeh behandelt. Die hauchdünnen Nadeln sind unterschiedlich lang und werden von Hebammen oder ÄrztInnen mit einer Zusatzausbildung ins Gewebe der Patientinnen gedreht. "Vor der ersten Behandlung haben die Frauen vor Angst oft schlaflose Nächte. Dabei tun die Nadeln wirklich überhaupt nicht weh", sagt eine 43 Jahre alte Hebamme aus Hamburg, die seit sechs Jahren geburtsvorbereitende Akupunktur anwendet.

Auch Wolfgang Zieger von der Frauenklinik Mannheim kennt diese Reaktion: "Erstmal schreckt natürlich jeder vor den Dingern zurück und hat Riesenangst", sagt der Anästhesist. Ihm sei es beim ersten Kontakt mit Akupunkturnadeln nicht anders gegangen. Zusammen mit seinem Kollegen, dem Akupunktur-Experten Ansgar Römer, hat Zieger in einer Studie die Wirksamkeit der geburtsvorbereitenden Akupunktur nachgewiesen.

Verkürzter Gebärmutterhals

An der Studie der Mannheimer Klinik, die zur Universität Heidelberg gehört, beteiligten sich knapp 900 Frauen, die in drei Gruppen aufgeteilt wurden. 330 Erstgebärende wurden nach dem so genannten Römer-Schema akupunktiert, eben so viele Frauen wurden gar nicht behandelt, rund 225 Schwangere gehörten zu einer Placebo- Gruppe, die mit einer als psychisch ausgleichend geltenden Akupunktur therapiert wurden.

Während die Geburt bei den Nichtbehandelten im Durchschnitt etwa zehn Stunden dauerte, kamen die Babys der Römer-Akupunktierten im Schnitt bereits nach acht Stunden. Bei den behandelten Frauen verkürzte sich der Gebärmutterhals zudem deutlich stärker als bei den Schwangeren der beiden anderen Gruppen. Dies beschleunigt die Geburt. "Wie es genau zu diesen Veränderungen kommt, weiß man nicht", sagt Oberarzt Zieger.

Gewebserweichung

Allerdings hätten WissenschaftlerInnen der Universität Wien nachgewiesen, dass durch die geburtsvorbereitende Akupunktur vermehrt Prostaglandine ausgeschüttet würden. Dieser hormonähnliche Stoff verursache eine Gewebserweichung des Gebärmutterhalses und des Gebärmuttermundes. "Dieses 'Softening' wie auch die Verkürzung des Gebärmutterhalses merkt die Schwangere aber nicht", sagt Zieger.

Wenn die Behandelten zur Entbindung in die Klinik kämen, sei der Muttermund meist schon deutlich weiter geöffnet als bei Nicht- Akupunktierten. "Dieser positive Befund beflügelt viele Frauen und nimmt ihnen auch etwas die Angst. Denn neben den nachgewiesenen Veränderungen spielt bei der Geburt auch die Psyche eine große Rolle", sagt die erfahrene Hebamme.

Weniger Ödeme und Sodbrennen

Außer der verkürzten Geburtsdauer gebe es aber noch andere positive Nebeneffekte. Schon nach einer Sitzung ließen typische Schwangerschaftsbeschwerden wie Wassereinlagerungen (Ödeme) oder Sodbrennen nach. "Daran merken die Frauen, dass die Nadelbehandlung auch tatsächlich wirkt", sagt die Hamburger Hebamme. Denn die meisten Schwangeren kämen nicht zur Akupunktur, weil sie davon so überzeugt seien: "Die treibt einfach die Angst vor der Geburt her." (APA/dpa)

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