Hunde künftig im Auto "festbinden"?

13. Juni 2002, 12:53
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KfG-Novelle sorgt für Aufregung - Wirtschaftskammer findet sie "praxisfremd und überzogen"

Linz - Für Aufregung sorgt jetzt eine im Entwurf vorliegende Novelle zum Kraftfahrgesetz, durch die der "Transport" von Tieren - vor allem in der Viehwirtschaft - noch sicherer gestaltet werden soll. Die oberösterreichische Wirtschaftskammer spricht von einem "praxisfremden und überzogen" Entwurf und nennt dafür ein Beispiel: Würde man die geplante Regelung genau einhalten, so müssten künftig Hunde im Auto regelrecht "festgebunden" werden. Das Verkehrsministerium wirft der Kammer "Polemik" und eine "bösartige" Auslegung des Entwurfs vor.

Früher reichte Trenngitter

Bisher sei es üblich gewesen, dass Hunde im Fonds eines Autos - beispielsweise eines Kombi - mit Trenngitter zum Fahrgastraum verkehrssicher und auch für das Tier "angenehm" befördert wurden. Der Entwurf zur KfG-Novelle sehe jetzt aber vor, dass Tiere grundsätzlich nur so transportiert werden dürfen, dass sie "ihre Lage zu den Wänden des Fahrzeuges nur geringfügig verändern können", meinte die Wirtschaftskammer in einer Aussendung am Donnerstag.

Dazu Wilhelm Berghammer, Sprecher des Landesgremiums des Viehhandels in Oberösterreich: "Einem braven Staatsbürger und Hundehalter bliebe in diesem Fall also nichts anderes übrig, als Bello im Kofferraum festzuzurren, will er nicht gegen die vorgesehene Neuregelung der Ladungssicherung im KfG verstoßen und eine Verwaltungsstrafe riskieren".

Tierquälerei

An diesem Beispiel wolle man zeigen, so Berghammer, dass der gesamte Entwurf überzogen sei, auch was die "Ladungssicherung" bei Rindern und anderen Großtieren anlangt. "Es wäre für Tiere eine unzumutbare Qual, würde ihnen bei Transporten jegliche Bewegungsfreiheit im Fahrzeug genommen", warnte Berghammer. Die derzeitigen Regelungen für den Tiertransport seien "völlig ausreichend", meinte der Kammervertreter und fügte hinzu: "Wenn die Juristen im Verkehrsministerium schon selbst die Problematik von Tiertransporten und hier insbesondere von Großtieren wie Kühen oder auch Pferden nicht kennen, dann sollen sie doch ihren Minister fragen, der als ausgebildeter Landwirt in dieser Thematik sicher Bescheid wissen müsste".

Missverstandener Entwurf

Arnold Schiefer aus dem Büro von Verkehrsminister Mathias Reichhold wies die Kritik der Wirtschaftskammer als "polemisch" zurück, "nur mit viel Bösartigkeit kann man aus dem Entwurf heraus lesen, dass damit auch Hunde gemeint seien, tatsächlich stimmt das nicht". Denn es gehe nur um Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen, "hier wollen wir die Ladungssicherung beim Transport von Tieren noch verbessern", so Schiefer. Und auf die Frage, ob der Entwurf vielleicht missverständlich sei, antwortete der Ministersprecher: "Sollte die oberösterreichische Wirtschaftskammer hier etwas missverstanden haben, dann werden wir es so in die Novelle hineinschreiben, dass es auch die oberösterreichische Wirtschaftskammer versteht". (APA)

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