Geschlechtsspezifische Abschlussarbeiten

13. Juni 2002, 12:06
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Bei dieser Veranstaltung werden drei Diplomandinnen die Ergebnisse ihrer Abschlussarbeiten aus dem Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung präsentieren und zur Diskussion stellen.

Martina Gugglberger („Les femmes tondues – Geschorene Frauen in Frankreich 1944-1945“) beschäftigt sich dabei mit der nationalsozialistischen Besatzungszeit in Frankreich und geht speziell auf Kollaborationsdelikte von französischen Frauen ein. Besonderes Augenmerk wird auf das Delikt der „collaboration horizontale“ gelegt, das Frauen vorgeworfen wurde, die mit deutschen Besatzungssoldaten Beziehungen eingegangen waren. Weiters wird näher auf die „Säuberungsmaßnahmen“ während und nach der Befreiung Frankreichs eingegangen. Frauen, denen Beziehungen zu den Besatzern nachgesagt wurden, wurden in den Tagen nach der Befreiung im Beisein von Zuschauern zur Strafe die Haare geschoren. Zeitliche und örtliche Ausprägungen sowie AkteurInnen und die Rezension dieser Ereignisse werden beleuchtet. Abschließend wird versucht, die Figur der geschorenen Frau im Kontext von Frauenidealen und Nationsallegorien zu betrachten und einen kurzen europäischen Vergleich dieser Praxis zu skizzieren.

Die Arbeit von Maria Ecker („Man hat sich hier sehr fremd gefühlt...“ – Weibliche Holocaust-Überlebende in Israel) basiert auf Interviews mit zehn Holocaust-überlebenden Frauen, die sie im Februar/März 2001 in Israel geführt hat. Die Interviewpartnerinnen sind alle in Mitteleuropa geboren, waren während der NS-Zeit in Konzentrations- und Vernichtungslagern interniert, und emigrierten nach 1945 nach Palästina. Thematisiert wird dabei zum einen die Frage nach der Integration der KZ-Überlebenden in die israelische Gesellschaft, zum anderen die physischen und psychischen Spätfolgen der KZ-Haft. Eine detaillierte Analyse erarbeitet Maria Ecker dann anhand zwei der erzählten Lebensgeschichten.

Die dritte Präsentation ist von Renate Schuheker, die zum Thema „Frauen und Streitkräfte unter besonderer Berücksichtigung des Prozesses der Integration von Frauen in das österreichische Bundesheer“ referiert. Neben einem Überblick über die historischen Entwicklungen, den internationalen aber auch feministischen Debatten zu diesem Thema wird der Fokus auf die Notwendigkeit gerichtet, dass Frauen selbst entscheiden können, welchen Beruf sie ausüben wollen. Außerdem werden die biologistischen Zuschreibungen thematisiert, die in der Argumentation der GegnerInnen von Soldatinnen ins Treffen geführt werden.

Das Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung an der Universität Salzburg möchte mit dieser Veranstaltung Forschungsarbeiten und Lehrinhalte der Frauen- und Geschlechterforschung an der Universität Salzburg sichtbar machen, eine Präsentation von Arbeiten von Nachwuchswissenschafterinnen ermöglichen und ein interdisziplinäres Diskussionsforum für Studierende in Abschlussphasen bieten. (red)

13.6.2002, 18 Uhr,
Hörsaal 382,
Haus für Gesellschafts- wissenschaften,
Rudolfskai 42
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