ORF-Legende Gerhard Vogl im Ruhestand

13. Juni 2002, 14:46
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Einer der letzten Pioniere der ORF-Information feiert Abschied

Die ORF-Legende Gerhard Vogl (60) ist Ende Mai in den Ruhestand getreten. Mittwochabend lud ORF-Generaldirektorin Monika Lindner zu einem Abschiedsempfang für den profilierten Journalisten, der mehr als 30 Jahre an den verschiedensten Schaltstellen im ORF tätig war. Den Zusehern war Vogl vor allem von seinen unzähligen Auftritten in der "Zeit im Bild" bekannt. Vor wenigen Wochen musste sich Vogl einer schweren Herzoperation unterziehen, von der er sich gut erholt hat.

Vogl bedankte sich bei den Anwesenden, darunter prominente ORF-Vertreter und Chefredakteure der heimischen Printmedien, mit launigen Anekdoten aus früheren Zeiten und richtete ernste Worte zur Gegenwart an die ORF-Journalisten: "Wenn sie weiterhin so außenorientiert sind und nicht loyal zum Unternehmen stehen, dann sieht es für den ORF nicht gut aus." So müsse etwa niemand wissen, "wer bei wem zum Abendessen eingeladen ist", meinte Vogl offenbar in Anspielung auf Medienberichte, wonach ein ZiB-Interview mit FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler - nach einem gemeinsamen Abendessen - in der Wohnung des nunmehrigen Chefredakteurs der Generaldirektion, Walter Seledec, aufgezeichnet wurde. Auch Ex-Generalintendant Gerhard Weis habe einst als Chef der ORF-Öffentlichkeitsarbeit Bruno Kreisky zu sich nach Hause eingeladen, um zwischen Kreisky und Bacher zu vermitteln.

Journalistischer Pfeffer

"Ich kann euch nur animieren, wieder etwas journalistischen Pfeffer zu zeigen. Mehr Mut, mehr aussprechen", so Vogl weiter. Ganz zur Ruhe will sich die ORF-Legende freilich auch im Ruhestand nicht setzen. Er werde weiterhin Medienseminare abhalten. Und: "Ich werde mich sicher nicht in der Strickweste im Garten fotografieren lassen."

Vogl wurde am 9. September 1941 in Krems geboren. Er absolvierte zunächst die Militärakademie in Wiener Neustadt und begann 1971 seine Laufbahn im ORF. Dort startete er beim Aktuellen Dienst des Hörfunks und wechselte später zum Aktuellen Dienst Fernsehen. Von 1972 bis 1973 war er persönlicher Referent des damaligen ORF-Chefredakteurs Alfons Dalma, von 1981 bis 1985 Büroleiter von Generalintendant Gerd Bacher. Dazwischen agierte er als Redakteurssprecher. Vogl baute die ORF-Berufsaus- und -fortbildung (BAF) auf und führte sie acht Jahre. Ab 1992 fungierte Vogl als Chefredakteur in der Generalintendanz. Als Leiter der politischen Diskussionssendungen im ORF-Fernsehen war er in der Folge an der Entwicklung von "Zur Sache" beteiligt. Zuletzt war er Sendungsverantwortlicher von "help tv" und darüber hinaus für die "Pressestunde" und das "Europastudio" zuständig. Weiters war Vogl als Lehrbeauftragter am Institut für Publizistik der Uni Wien und am medienkundlichen Lehrgang der Uni Graz sowie als Buchautor aktiv. Im Jahr 2000 verlieh man ihm den Titel Professor. (APA)

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