Schnelle Kühlung könnte künftig Unfallopfer vor sicherem Tod retten

13. Juni 2002, 11:34
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Herzstillstand durch massiven Blutverlust könnte verhindert werden

Innsbruck - Eine schnelle Abkühlung von Herz und Gehirn auf bis zu acht Grad könnte künftig Unfallopfer, die wegen massiven Blutverlustes einen Herzstillstand erleiden, vor dem sicheren Tod retten. Dieses Therapiekonzept, das in den USA bisher an Hunden erfolgreich getestet worden ist, kann möglicherweise in ein bis zwei Jahren in Österreich auch am Menschen angewendet werden. Dies erklärte Assistenzarzt Wilhelm Behringer vom AKH Wien, der an der Entwicklung des Konzepts mitgewirkt hatte, der APA.

Hinweise für diese Methode erhielten die Mediziner unter anderem von Lawinenopfern oder Menschen, die in eiskalten Bergbächen gefangen waren. Eine große Blutung führe erfahrungsgemäß sehr rasch zu einem Herzstillstand, wo normale Wiederbelebungsversuche - wie etwa Herzdruckmassage - nicht mehr erfolgreich durchgeführt werden können.

Wie Behringer am Donnerstag bei seinem Vortrag im Rahmen des 34. Intensivmediziner-Kongresses in Innsbruck erklärte, sei dies darauf zurückzuführen, dass im Körper einfach nicht mehr genug Blut vorhanden ist, um das Gehirn mit Sauerstoff versorgen zu können. Ein fünfminütiger Stillstand führe bereits zu einer irreversiblen Gehirnschädigung. Aus diesem Grund ist es notwendig, einen Weg zu finden, mit dem der Organismus innerhalb dieser alles entscheidenden fünf Minuten konserviert werden kann, um die Zeit für den Transport ins Krankenhaus zu überbrücken. Nach einer erfolgreichen Blutstillung während des Herzstillstandes werde die Wiederbelebung des Unfallopfers eingeleitet.

Experiment an Hunden

Bei den Tierversuchen wurde den Hunden in den ersten Minuten nach dem Herzstillstand mit Hilfe eines Ballonkatheters ein Schwall eisgekühlter Kochsalzlösung in die Hauptschlagader appliziert. Binnen kürzester Zeit wurde sowohl das Gehirn als auch das Herz auf acht Grad abgekühlt. Unter dem konservierenden Schutz der Kühlung beließen die Forscher die Tiere bis zu zwei Stunden im toten Zustand, um die Zeit des Transportes und der blutstillenden Operation zu simulieren. Darauf folgte die Wiederbelebung mittels Herz-Lungen-Maschine und eine langsame Aufwärmung des Körpers. Die Hunde waren drei Tage nach dem Experiment wieder wohlauf, ihre kognitiven Funktionen waren intakt. Behringer war während seines dreijährigen USA-Forschungsaufenthaltes unter der Leitung von Peter Safar (einem Wiener, der in den fünfziger Jahren in die USA ausgewandert war) an der Entwicklung dieser neuen Wiederbelebungs-Methode maßgeblich beteiligt.

An den österreichischen Kliniken soll diese Technik an Patienten angewendet werden, die einen nicht-traumatischen Herzstillstand - also einen plötzlichen Herztod - erlitten haben. In etwa 50 Prozent der plötzlichen Herztod-Fälle könne trotz Ausschöpfung aller herkömmlichen Wiederbelebungsmaßnahmen kein Kreislauf mehr hergestellt werden. Das neue Therapiekonzept könnte "möglicherweise eine neue Ära" in der Behandlung dieser Fälle einleiten, zeigte sich der Mediziner zuversichtlich. Dafür seien aber zuvor noch weitere Tierversuche notwendig, fügte Behringer hinzu. (APA)

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