Staaten rüsten wieder schwer auf

13. Juni 2002, 11:20
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SIPRI-Studie: Nach dem 11. September zeichnen sich deutlich schnellere Zuwächse bei Rüstungsausgaben ab

Stockholm - Die internationalen Rüstungsausgaben stehen nach den Terroranschlägen vom 11. September vor einem massiven Sprung nach oben. Wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute) am Donnerstag mitteilte, ist nach dem zweiprozentigen Anstieg der Rüstungsausgaben im letzten Jahr mit einem "sehr viel schnelleren Zuwachs" in den kommenden Jahren zu rechnen. Institutsleiter Daniel Rotfeld sagte: "Die Anschläge des 11. September gegen die USA haben den internationalen Sicherheitsprozess an einen Scheideweg geführt."

Wie es im neuen SIPRI-Jahrbuch 2002 weiter hieß, muss schon die Zuwachsrate des letzten Jahres deutlich nach oben korrigiert werden, wenn die Ergänzungsausgaben vom Ende letzten Jahres für den von US-Präsident George W. Bush verkündeten "Krieg gegen den Terrorismus" in die Statistiken einbezogen seien. Ohne diese Zusatzausgaben beliefen sich die weltweiten Rüstungsausgaben aller Staaten im vergangenen Jahr auf 839 Milliarden Dollar (891 Mill. Euro). Damit kommen auf jeden Bewohner des Globus "virtuell" 137 Dollar für Waffenausgaben.

Naher Osten wird am kräftigsten aufgerüstet

Am kräftigsten zum neuen Aufrüstungstrend beigetragen haben seit 1998 der Nahe Osten mit einem Zuwachs von 15 Milliarden Dollar, Zentral- und Osteuropa mit 13 Milliarden zusätzlichen Dollar sowie mit jeweils 7 Milliarden Dollar Nordamerika und Fernost. Als auffällig bezeichnete SIPRI, dass mehrere der ärmsten Länder in Afrika wie Eritrea oder Äthiopien im Verhältnis zu ihrem Bruttonationalprodukt die höchsten Militärausgaben weltweit verzeichnen. Andererseits stehen die USA, Russland, Frankreich, Japan und Großbritannien als die fünf Staaten mit den höchsten Militärhaushalten für die Hälfte aller Rüstungsausgaben überhaupt.

Die nationalen Militärhaushalte waren zwischen 1987 und 1998 mit dem Ende des Kalten Krieges zum Teil drastisch geschrumpft, stiegen aber in den folgenden drei Jahren bis 2001 wieder um insgesamt sieben Prozent an. Größter Exporteur von Waffen und Waffensystemen war im letzten Jahr erstmals Russland, das die Ausfuhren gegenüber dem Vorjahr um 24 Prozent steigerte und Rüstungsgüter für fünf Milliarden Dollar (in Preisen von 1990) ausführte. Es überholte damit die USA (4,6 Milliarden Dollar). Im Vergleich der Gesamtausgaben während der vergangenen fünf Jahre haben die USA mit 44,8 Mrd. Dollar allerdings noch immer einen Riesenvorsprung auf Russland mit 17,3 Mrd.

Mit Abstand die meisten Rüstungsgüter gekauft hat im letzten Jahr China mit Importen über 3,1 Milliarden Dollar und einer Steigerung gegenüber 2000 um 44 Prozent. Indien kaufte 2001 im Ausland 50 Prozent mehr Waffen als im vorangegangenen Jahr und wurde mit Käufen für 1,1 Milliarden Dollar hinter Großbritannien (1,2 Milliarden Dollar) drittgrößter Rüstungsimporteur. Die Gesamt-Rangliste der letzten fünf Jahre führt aber weiterhin Taiwan (11, 4 Mrd. Dollar) vor China (7,1) an.

Zahl der Kriege reduziert

Die Zahl der Kriege verminderte sich im letzten Jahr auf 24 durch Beendigung eines bewaffneten Konfliktes im afrikanischen Sierra Leone sowie des Krieges zwischen Äthiopien und Eritrea. Bis auf den Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und Pakistan wurden alle Kriege von Gegnern innerhalb jeweils eines Staates ausgetragen. Neu hinzu gekommen ist die Auseinandersetzung zwischen den USA dem Terroristen- Netzwerk El Kaida. Sie sei "durch qualitativ neue, globale Merkmale gekennzeichnet und bisher nur schwer in gängige Kategorien einzuordnen", meinte SIPRI. Als Zahl der Toten bei diesem Krieg gab das Institut für 2001 "mehr als 3.000" an.

SIPRI erklärte bei der Veröffentlichung des Jahrbuches, dass die Terroranschläge des 11. September in den USA die "Prioritäten und strategischen Überlegungen" vieler Staaten verändert hätten. Es hieß weiter: "Die von den USA und deren Alliierten in Gang gesetzte Kampagne gegen den Terrorismus hatte direkten Einfluss auf viele Konflikte sowie einen indirekten Einfluss, dessen Auswirkungen noch nicht abzusehen sind. (APA/dpa)

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