Arztskandal: Bereits ein Todesfall

13. Juni 2002, 10:55
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ErmittlerInnen vermuten bei inhaftiertem Villacher Gynäkologen geistige Erkrankung

Klagenfurt - Den im Villacher Frauenarzt-Skandal ermittelnden Kriminalbeamten kommt "das Grausen". Tausende Krebstests seiner Patientinnen ließ der Arzt in der Schublade verschwinden, jetzt ermittelt der Staatsanwalt auch in einem Todesfall. Das bestätigte Arnulf Komposch von der Villacher Kripo gegenüber dem STANDARD. Eine Patientin des Arztes starb an einem Cervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs), eine gilt als schwer krank.

Bei den Frauen handelt es sich um zwei von jenen dreien, die in einer Studie über Cervixkarzinome in Kärnten auffielen. Diese Studie brachte den beispiellosen Skandal erst in Rollen.

Befürchtung, dass es noch mehr werden

Komposch: "Leider müssen wir befürchten, dass es noch viel mehr werden." Rund 10.000 Karteien habe man bei der Hausdurchsuchung in der Ordination gefunden, "die müssen nun alle erst ausgewertet werden". Die Ermittlungen gestalten sich so umfangreich, dass weitere BeamtInnen angefordert werden mussten.

Der Arzt soll Krebsabstriche schon seit dem Jahr 1994 nicht mehr an ein Labor zur Untersuchung weitergeschickt haben. Bis zuletzt ging man davon aus, dass dies erst seit 1998 unterblieben sei. Die Untersuchung und Zuordnung der Abstriche ist dementsprechend aufwändig. Denn diese sind großteils unverwertbar geworden. Fest steht für die Kripo, dass der Gynäkologe bei der verstorbenen Frau einen Abstrich vorgenommen hat.

Hintergründe klären

Bei der Verstorbenen wurde kurz nach einer Schwangerschaft vor zwei Jahren der bösartige Tumor in der Gebärmutter festgestellt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, Norbert Jenny. Die behandelnden ÄrztInnen im Landeskrankenhaus Villach konnten aber nichts mehr für die Frau tun. Sie wurde nur 30 Jahre alt. Die Hintergründe des zweiten Krankheitsfalles sollen von Sachverständigen genauer geklärt werden.

Verängstigten Patientinnen stehen nun auch die Ambulatorien des Landeskrankenhauses Villach und der Gebietskrankenkasse in Klagenfurt kostenlos für Krebstests zur Verfügung.

Werde einen Killer schicken...

Mittlerweile erhärten sich für die Kripo auch die Indizien, dass der Villacher Frauenarzt an einer schweren psychischen Erkrankung leidet, möglicherweise Schizophrenie. Das Gerichts beauftragte einen Sachverständigen, den Geisteszustand des Inhaftierten zu untersuchen.

Der Villacher Gynäkologe soll laut Kripo auch den Verfasser der Cervixkarzinom-Studie mit dem Tode bedroht haben: Weil dieser den Arzt auf Ungereimtheiten angesprochen hatte, die bei seinen Recherchen zutage getreten waren. Er werde ihm einen Killer schicken, soll der Arzt gesagt haben. (stein, DER STANDARD, Printausgabe, 13.6.2002)

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