China: Über 200 Toten durch Unwetter

13. Juni 2002, 15:29
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30 Millionen Menschen sin von den Überschwemmungen betroffen - 320.000 Menschen wurden evakuiert

China fürchtet "Jahrhundertflut" - Tagesmeldung Schon 248 Tote nach Unwettern (Von Andreas Landwehr/dpa)

Peking (dpa) - Verheerende Überschwemmungen und Unwetter in China haben bis Donnerstag rund 30 Millionen Menschen in Mitleidenschaft gezogen. Mindestens 248 Menschen kamen ums Leben. An mehreren Orten war von einer "Jahrhundertflut" die Rede. Chinas Ministerpräsident Zhu Rongji rief das Land nach Angaben des Staatlichen Fernsehens auf, "sich auf eine Hochwasserkatastrophe vorzubereiten, die schlimmer als 1998 wird". Damals waren nach offiziellen Angaben mehr als 4.000 Menschen ums Leben gekommen, möglicherweise aber noch viele weitere.

Der Ministerpräsident inspizierte die Deiche am Jangste-Strom, die nach der Katastrophe damals verstärkt worden waren. "Wir müssen vorbereitet sein." Lokalen Funktionären drohte der Regierungschef deutlich mit Disziplinarverfahren, falls es Schäden geben sollte, die durch Vernachlässigung verursacht worden seien. Offenbar hatte Zhu Rongji die Klagen im Hinterkopf, dass lokale Kader häufig Gelder für die Hochwasserbekämpfung in die eigene Tasche stecken.

Irritiert durch den ungewöhnlich frühen und heftigen Beginn der diesjährigen Hochwassersaison nannte Zhu Rongji das Klima "nicht normal". Besonders schwer betroffen war im Nordwesten die Provinz Shaanxi, wo allein mindestens 152 Menschen ums Leben gekommen sind. Die Stromversorgung und Telefonleitungen waren unterbrochen, so dass das ganze Ausmaß der Katastrophe noch nicht bekannt war. Es wurde damit gerechnet, dass die Zahl der Opfer weiter steigt.

Landesweit sind mindestens elf Provinzen und die Metropole Chongqing betroffen. Bei Evakuierungen wurden 320.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Tausende wurden obdachlos. Hunderte von Menschen wurden noch vermisst. Viele Flüsse im schwer betroffenen Nordwesten stiegen auf historische Rekordstände. Rettungstrupps suchten nach Opfern der Fluten und versorgten die Menschen mit Hilfsgütern. 80.000 Häuser waren allein in Shaanxi beschädigt, berichtete die Tageszeitung "China Daily".

In Shaanxi, den Provinzen Hubei, Sichuan, Guizhou und der Metropole Chongqing wurden mehr als 3,5 Millionen Hektar Anbauflächen überflutet, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Das Hauptquartier für Hochwasserbekämpfung in Peking gab die Zahl der Toten allein in diesen fünf Regionen mit 205 an. Nachfragen der dpa in anderen Provinzen und weiter gehende Medienberichte ließen die Zahl jedoch bis Donnerstag auf mindestens 248 ansteigen.

"Das gibt es nur einmal in 100 Jahren", beschrieb ein Beamter des Hochwasserbekämpfungsamtes in Guizhou in Südchina das Ausmaß der Überschwemmungen. In Sichuan wurden allein 52 Bezirke und Städte von Hochwasser und Erdrutschen heimgesucht, berichtete Xinhua. 210.000 Menschen wurden hier in Sicherheit gebracht. Eine der vier wichtigsten Bahnverbindungen Chinas war durch den Einsturz der Eisenbahnbrücke über den Bahe-Fluss in Shaanxi unterbrochen.

Überschwemmungen wurden im Süden des Landes auch aus Yunnan, Guangxi, Guangdong und Fujian sowie in Zentralchina aus der Provinz Hubei und im Westen des Landes aus Gansu, Ningxia und Xinjiang berichtet. "Es ist die schlimmste Flut seit 100 Jahren", hieß es auch in der Kreisverwaltung von Meitan in Guizhou in Südchina. "Niemand hat das erwartet. Es kam so plötzlich, dass die Häuser überschwemmt wurden und einstürzten. Viele Menschen sind obdachlos."

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