Helmut Frodl studiert im Gefängnis Theologie

13. Juni 2002, 08:25
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Der zu lebenslanger Haft verurteilte ehemalige Moderator könnte in fünf Jahren erstmals eine vorzeitige Entlassung beantragen

Wien - Vor genau zehn Jahren, am 14. Juni 1992, wurde Helmut Frodl in seiner Wohnung in Wien-Hietzing festgenommen: Der ehemalige Moderator der ORF-Jugendsendung "Ohne Maulkorb", der später als Produzent und Regisseur tätig war, hatte mit Hilfe seines Steuerberaters den Tonstudiobesitzer Fritz Köberl nach Budapest gelockt, den 46-jährigen dort betäubt, erschossen und die Leiche mit einem Fuchsschwanz in 17 Teile zersägt. In der Justizanstalt Garsten sitzt der mittlerweile 44-Jährige dafür eine lebenslange Freiheitsstrafe ab.

"Es gibt keine Schwierigkeiten mit ihm. Er verhält sich der Hausordnung entsprechend und ist bemüht, seine Haft ordentlich über die Bühne zu bringen", erklärte Major Josef Ritter, der stellvertretende Anstaltsleiter. Frodl, der immer schon gern ein Schauspieler war - die Beschuldigteneinvernahme in seinem Prozess erinnerte streckenweise an Edgar Allan Poes "Der Rabe" -, ist im Gefängnis unter anderem in einer Theatergruppe tätig. Die Truppe, die sich "Ruhestörung" nennt, gibt Selbstgeschriebenes, nimmt sich aber auch berühmterer Texte an. So ist Frodl etwa vor Mitgefangenen schon in einer tragenden Rolle in einer Adaption des erfolgreichen Kabarett-Films "Indien" aufgetreten.

Seine wahre Berufung dürfte der einst smarte Sunnyboy allerdings im Glauben gefunden haben: Er studiert Theologie und kommt dabei auch ordentlich vorwärts. Für Prüfungen wird er - natürlich bestens bewacht - meistens in die Universität Linz ausgeführt. Im Gefängnis selbst, das bei einem derzeitigen "Gesamtbelag" von 340 Insassen immerhin an die 40 "Lebenslange" aufweist, beteiligt sich der prominente Häftling rege an Glaubensrunden. "Beruflich" arbeitet er in der Anstaltsbibliothek.

Theoretisch könnte Frodl in fünf Jahren erstmals seine vorzeitige bedingte Entlassung beantragen. Sollte er diese tatsächlich betreiben, müssten vor einem solchen Schritt vermutlich mehrere ärztliche Gutachten eingeholt werden, da der 44-Jährige an einem so genannten Borderline-Syndrom leidet. Das hatte sein Mordprozess ergeben. (APA)

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