Neue Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin

13. Juni 2002, 11:15
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Tagungen in Wien suchen Alternativen zum Klonen

Wien - Rund 24 Jahre nach der Geburt des ersten Retortenbabys tagen Ende Juni in Wien jene WissenschafterInnen, die führend an der Entwicklung dieser Methode zur Behandlung der Infertilität beteiligt waren.

Den Beginn macht die Weltkonferenz von "A Part", dem Internationalen Verband der Privatinstitute, die in diesem Bereich tätig sind. "Dabei geht es unter anderem um Möglichkeiten, die umstrittene Techniken ersetzen können", berichtet der Kongressorganisator und medizinische "Vater" des ersten österreichischen Retortenbabys: Wilfried Feichtinger.

Die "umstrittenen Techniken" sind die angekündigten Versuche, Menschen, die auf keinem anderen Weg zu einem Kind kommen können, zu klonen. Eine Alternative entwickelt der französische Forscher Ian Tesarik. Während beim Klonen die Erbinformation (DNA) nur einer Person verwendet wird - man nimmt sie aus einer Körperzelle und bringt sie in ein Ei, dessen DNA entfernt wurde -, will Tesarik DNA einer Körperzelle des/der unfruchtbaren PartnerIn mit Ei/Sperma des/der fruchtbaren PartnerIn kombinieren. "Das ist wirklich sensationell", erklärt Feichtinger.

Nicht weniger sensationell ist die "Assistierte induzierte Aktivierung" von Eizellen: Sie geht davon aus, dass Eizellen zur Befruchtung erst aktiviert werden müssen. Gesunde Spermien können das, geschwächte nicht. Bei Männern mit geschwächten Spermien soll deshalb ein gesundes Spermium eines anderen Mannes aushelfen und nach der Aktivierung des Eis entfernt werden. Befruchtet wird dann mit dem geschwächten Spermium.

Rechtlicher Rahmen

Feichtinger ist überzeugt, dass sich die rechtlichen Rahmenbedingungen - auch in Österreich - im Sinne einer moderneren Sichtweise der Reproduktionsmedizin ändern werden. Er denkt "übrigens daran, mit Kollegen in Österreich eventuell ein Institut für Präimplantationsdiagnostik zu gründen. Wir wissen, dass speziell im höheren Alter von infertilen Paaren bis zu mehr als 70 Prozent der Keimzellen kranke Chromosomen aufweisen. Das kann man doch nicht riskieren."

Im Anschluss an die Privaten treffen sich die ReproduktionsmedizinerInnen der europäischen Universitäten zum Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Embryologie (ESHRE) in Wien.

(APA) - DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 13.6.2002

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