Nitrofen-Alarm in Mecklenburg-Vorpommern

12. Juni 2002, 20:25
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500 Höfe vorsorglich gesperrt - Skandal trifft auch konventionelle Landwirtschaft

Berlin - Nach Nitrofen-Funden auch in konventionellem Futtergetreide sind in Mecklenburg-Vorpommern in Deutschland 500 landwirtschaftliche Betriebe vorsorglich gesperrt worden. Die Höfe - konventionell sowie ökologisch betriebene - müssten jetzt überprüft werden, sagte der Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), am Mittwoch in Berlin.

Jeder vierte Produzent betroffen

Nach Angaben seines Ministeriums ist damit jeder vierte landwirtschaftliche Fleischproduzent des Bundeslandes betroffen. Zuvor war der giftige Unkrautvernichter Nitrofen in einer Weizenprobe der Neubrandenburger Futtermittelfirma FUGEMA nachgewiesen worden. Unterdessen nahmen auch die französischen Behörden Ermittlungen in dem Skandal auf.

Insgesamt wurden 72 Tonnen Weizen aus der Nitrofen-verseuchten Halle in Malchin im Dezember vergangenen Jahres an FUGEMA geliefert, teilte Müller weiter mit. Sie seien in Silos mit weiteren 6.000 Tonnen Weizen aufgefüllt worden. Von insgesamt zehn Proben aus dieser Weizenmenge sei eine positiv gewesen. Sie habe einen Wert von 0,346 Milligramm Nitrofen pro Kilo ergeben - der Grenzwert liegt bei 0,01 Milligramm pro Kilo. Das Getreide sei zu insgesamt 50.000 Tonnen Futtermittel verarbeitet worden, das auch ausgeliefert worden sei, sagte Backhaus.

Frankreich-Export

Ein Sprecher des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums in Stuttgart bestätigte, dass Getreide aus der Lagerhalle in Malchin von einem deutschen Betrieb auch nach Frankreich exportiert wurde. Die Bundesregierung habe die zuständigen Behörden in Paris davon in Kenntnis gesetzt. Dort nahm die Generaldirektion für Wettbewerb, Verbrauch und Betrugsbekämpfung Ermittlungen auf. "Wir suchen die Kunden der elsässischen Getreidemühle, die das Getreide importiert hat, um herauszufinden, ob die Produkte möglicherweise noch auf Lager sind", sagte ein Behördensprecher. Als Vorsichtsmaßnahme würden nun in Frankreich eingeführte Bio-Produkte aus Deutschland untersucht; die Ergebnisse würden Donnerstag erwartet.

Die Halle in Malchin ist bisherigen Erkenntnissen zufolge der Ausgangspunkt des Nitrofen-Skandals. Dort wurde bis 1995 das Krebs erregende Unkrautvernichtungsmittel gelagert, das zu DDR-Zeiten legal war. In der EU ist der Einsatz von Nitrofen bereits seit 1988 verboten. Nitrofen gilt als krebserregend und fruchtschädigend. (AFP/APA)

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