"Wie Österreicher denken"

12. Juni 2002, 20:02
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Jüdisches Museum Hohenems spannt internationales Netzwerk

Hohenems - "Wenn wir Geschehenes vergessen, besteht die Gefahr der Wiederholung", warnte Susan Shimer beim Nachkommentreffen der Rosenthals, einer jüdischen Hohenemser Industriellenfamilie. Frau Shimer wurde 1937 in Wien als Gertrud Rosenthal geboren. 1940 flüchteten die Eltern mit dem kleinen Mädchen über Triest nach New York. "Ich hatte Glück . . . " Zahlreiche andere Mitglieder der Familie Rosenthal starben in Konzentrationslagern.

"Eine wunderbare Arbeit" leiste das Jüdische Museum, lobt Susan Shimer. Einerseits würde durch die Tätigkeit des Museums deutlich, welchen Verlust Österreich und Deutschland durch Holocaust und Vertreibung erfahren hätten, andererseits helfe ihr der Kontakt zum Museum "zu sehen, wie und was die Österreicher heute denken", sagt die Richterin.

1998 kam sie zum ersten Nachkommentreffen erstmals in die Heimatstadt ihres Vaters Karl August Rosenthal. Folge dieser Begegnung war die Gründung der Organisation "The American Friends of the Jewish Museum Hohenems". Das Nachkommennetzwerk ist heute eine bedeutende Stütze des Museums. In seiner jüngsten Ausstellung werden Geschichten über und aus der Familie Rosenthal - zusammengetragen von Rosenthals, die über die ganze Welt verstreut sind - erzählt.

Zahlreiche Gebäude der einstigen jüdischen Landgemeinde, auch Synagoge und Schule, sind noch erhalten. Für die Sanierung fehlten der Stadt bisher die finanziellen Mittel. Nun scheint sich eine Lösung anzubahnen. Gerhard Lacha, Hohenemser Finanzmakler, will die Gebäude im Baurecht übernehmen, sanieren und an die Stadt vermieten. Die Synagoge soll Standort der Musikschule Mittleres Rheintal werden. (jub/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 6. 2002)

Rosenthals - Collage einer Familiengeschichte

Bis 6. Oktober, Di-So, 10-17 Uhr.
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    foto: der standard
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