Sendepause macht noch keiner

12. Juni 2002, 19:08
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Der Kirch-Konzern bröckelt bisher für das Publikum unsichtbar

Stell dir vor, ein Fernsehimperium zerbröselt, und kein Seher merkt's: Für das Publikum hat es vorerst kaum Konsequenzen, dass nun alle großen Gesellschaften der Kirch-Gruppe Insolvenz beantragt haben.

Schon am 8. April dieses Jahres tat dies die Kirch Media, Kernstück des Konzerns mit den frei empfangbaren Fernsehkanälen und zahlreichen Programmrechten. Pro Sieben indes sendet ebenso unverdrossen weiter wie Sat.1 und Kabel 1. Selbst den Nachrichtenkanal N24 und den Sportsender DSF gibt es noch, obwohl ihre Perspektiven zu überleben deutlich schlechter sind. Die Kirch Media könnten Krone/Kurier-Mutter WAZ, Commerzbank und das Columbia Tristar weiterführen.

Schon einen Hauch deutlicher erkennbar ist das unternehmerische Debakel von Firmengründer Leo Kirch bei Premiere. Als Milliardengrab wichtigster Auslöser des Zusammenbruchs muss das Abonnementfernsehen nun etwa bei der Übertragung der Fußballweltmeisterschaft sparen. Kommentiert wird statt aus dem jeweiligen Stadion eben aus München.

Weiter geht es vorerst, laut Sanierungskonzept, mit mehr Sex im Programm und dafür etwas weniger unterschiedlichen Kanälen: Gerade haben die Bayerische Landesbank und HypoVereinsbank, der auch die Bank Austria gehört, einen Überbrückungskredit von rund 100 Millionen Euro genehmigt. Premiere drohte ein Sendestopp noch während der WM. Nun sucht man Käufer, Medienmulti Rupert Murdoch wäre eine Möglichkeit.

Einen Teil der Sportrechte hat Kirch in eine seiner Schweizer Firmen verlagert. Die deutsche Bundesliga dürften ARD/ZDF oder ATV-Gesellschafter Herbert Kloiber übernehmen. Eine der Formel-1-Gesellschaften Kirchs meldete ebenfalls Insolvenz an. Zu sehen ist sie gewiss weiterhin. (fid/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 13.6.2002)

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