Frühpensionierungen: Eine neue Qualität

12. Juni 2002, 18:56
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Ein Kommentar von Michael Moravec

Die Vorstände von Bundesbahn, Telekom Austria und Post versichern wortreich, bei den Frühpensionierungen sei alles in bester Ordnung. Das ist angesichts der absurden Zahlen und Zustände zumindest mutig: Bei den Bundesbahnen gab es etwa im vergangenen Jahr 1190 Pensionierungen. Über 73 Prozent davon waren Frühpensionierungen. Nur ein Viertel der Bundesbahner ging also "regulär" in Pension.

Auch bei der Post ist der Dienst offensichtlich schwer gesundheitsschädlich: Das durchschnittliche Pensionsantrittsalter ist von 53,5 Jahren 2001 auf jugendliche 48,2 Jahre im März 2002 gesunken - Tendenz weiter fallend.

Irgendwie ist der Ärger derjenigen verständlich, die in der Privatwirtschaft vielleicht mit 55 gekündigt werden und noch einige nette Jahre vergeblich auf Jobsuche sind, während sich deutlich jüngere "Kollegen" beim frühpensionären Bergsteigen von den unendlichen Mühen am Fahrkartenschalter erholen - auf Kosten der Allgemeinheit.

Dass sich aber gerade die Vizekanzlerin nun medienwirksam als Jägerin der reschen Rentner profiliert, müssten nicht nur die Unternehmen als ziemliche Zumutung empfinden. Auf Druck der Regierungspartei FPÖ wurde eine unsanierte Telekom Austria an die Börse geprügelt - mit einem Heer an unkündbaren Beamten und versteinerten Strukturen im Rucksack. Die Post wurde ebenfalls von heute auf morgen eine gewinnorientierte Aktiengesellschaft - mit den gleichen Problemen.

Nicht gerade stilvoll, aber verständlich, dass die Unternehmen alle möglichen Strohhalme ergreifen, um überzählige Leute loszuwerden. Dass eine Regierung aber zuerst diese Probleme schafft und sie dann scheinbar entrüstet als Vorwahlkampfmunition benützt, ist eine neue Qualität. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.6.2002)

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