Nachholbedarf bei Unternehmensanleihen

12. Juni 2002, 18:51
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Kapitalmarktfinanzierung wird wichtiger

Wien - In Österreich besteht noch ein enormer Nachholbedarf für Unternehmensanleihen, konstatierten Bank-Austria-Vorstandsdirektor Willi Hemetsberger und der Leiter der Anleiheabteilung, Gottfried Ramsmayr, in einem Pressegespräch. Während der Anteil der Corporate Bonds am Gesamtumlauf des Anleihemarktes in Großbritannien 24,5 Prozent betrage, in Schweden und den Niederlanden je 15,5 Prozent und in den USA 12,6 Prozent, mache er in Österreich nur vier Prozent aus. Auf ähnlich niedrige Werte wie Österreich kämen Deutschland, Frankreich oder Italien, weil auch hier nach wie vor die Finanzierung über Bankkredite dominiere.

Mit der Neuregelung der Eigenmittelvorschriften für Banken (Basel II) werde auch hierzulande die Kapitalmarktfinanzierung stärker in der Vordergrund rücken, erwartet Hemetsberger. Kapitalmarkt-und Kreditzinsen würden sich allmählich annähern und schließlich in der Mitte treffen.

Größere Unabhängigkeit von den Banken

Für die Unternehmen sei die Finanzierung über den Kapitalmarkt schon deshalb attraktiv, weil die damit verbundene Diversifizierung eine größere Unabhängigkeit von den Banken bedeute. Auch könnten dadurch größere Volumina ohne Belastung der Kreditlinie dargestellt werden. Und schließlich erlaube der Kapitalmarkt längere Laufzeiten als der Kreditmarkt.

Auch für den Anleger sehen die Bank-Austria-Experten Vorteile. Unternehmensanleihen böten höhere Renditen als Staatsanleihen, wobei sich das Risiko in Grenzen halte.

In Österreich befänden sich derzeit 15 Unternehmensanleihen im Umlauf. Weitere drei bis fünf Neuemissionen im Volumen von jeweils rund 100 Mio. Euro seien heuer noch zu erwarten. Etwa 250 heimische Unternehmen kämen als Emittenten einer Anleihe infrage. (gb, Der Standard, Printausgabe, 13.06.2002)

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