Steirer träumen wieder vom grünen Zug

12. Juni 2002, 18:42
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Doch Slowenien setzt auf Autobahnausbau und Maut

Graz/Marburg - Viele Jahre ist er gefahren, der grüne Zug zwischen Graz, Marburg und Laibach. Seine letzte Fahrt hatte der zweiteilige Triebwagen im Mai 1994. Nun soll der grüne Zug, auf Slowenisch Zeleni Vlak, wieder auferstehen als kundenfreundliche und schnelle Bahnverbindung zwischen Österreich und Slowenien, wünscht man sich in Graz.

Darüber hinaus denkt der Grazer Bürgermeister Alfred Stingl laut über die Einbindung slowenischer Städte und Gemeinden in den steiermärkischen Verkehrsverbund nach. "Weil man die Chancen nützen sollte, die sich mit dem bevorstehenden EU-Beitritt Sloweniens bieten", so Stindl in einer von der Österreichisch-Slowenischen Gesellschaft dem Thema Verkehr gewidmeten Veranstaltung.


Slowenien plant Roadpricing 2008

Auf slowenischer Seite gesteht man zwar ein, dass die Verkehrsanbindung mit Österreich, zumindest was die Schiene betrifft, früher schon einmal besser war als heute. Priorität habe im Moment aber der Straßenausbau, wie Verkehrsstaatssekretär Peter Pengal auf der gleichen Veranstaltung sagte.

Umgerechnet rund fünf Mrd. Euro werden von der Regierung in Laibach in die Schließung des Autobahnnetzes investiert - vornehmlich entlang der paneuropäischen Verkehrskorridore, von denen sich die Achsen V und X (siehe Grafik) in Laibach schneiden.

Spätestens 2010 soll der Ausbau abgeschlossen sein. Finanziert wird das Programm einerseits über Mauteinnahmen, die auf den Teilstücken seit mehreren Jahren eingehoben werden. Andererseits aus dem so genannten Benzin-Tolar, der in einem 20-prozentigen Zuschlag auf den Benzin- und Dieselpreis besteht und seit 1994 eingehoben wird.

Zusätzliche Einnahmen ab 2008

Zusätzliche Einnahmen sollen ab 2008 sprudeln, wenn, wie geplant, elektronisches Roadpricing in Slowenien auch für Pkw eingeführt wird. Darüber hinaus setzt die slowenische Regierung auf gemischte öffentlich-private Finanzierungen, so genannte Public-Private-Partnership-(PPP)-Modelle. Dadurch hofft man, mehr Budgetmittel für die Schiene loseisen zu können. "PPP-Modelle für die Bahn aufzustellen geht viel schwerer als bei der Straße", sagte Pengal.

Vor allem der Hafen Koper drängt auf eine bessere Anbindung. Zwar wurde die Bahnverbindung vom Adriahafen entlang dem Korridor V über Laibach, Marburg und weiter nach Budapest wesentlich verbessert; in Richtung Westen entlang dem Korridor X Richtung Salzburg sei aber noch viel zu tun, sagte Hafendirektor Bruno Korelic.

Auf österreichischer Seite gibt es nun die Absicht, die Bahnstrecke von Graz bis zur Grenze bei Spielfeld zweigleisig auszubauen. Ein Großteil des 580 Mio. Euro teuren, im Generalverkehrsplan als dringend eingestuften Projekts ist gesichert. Die Planungsarbeiten sollen demnächst beginnen, heißt es. (Günther Strobl, Der Standard, Printausgabe, 13.06.2002)

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