Börsenaufsicht prüft deutsche MobilCom

12. Juni 2002, 18:39
posten

Verdacht des Insiderhandels nach Kurssturz

Wien - Nach dem spektakulären Kurssturz der MobilCom-Aktie vom Dienstag geht die deutsche Börsenaufsicht nun dem Verdacht des Insiderhandels nach. Das bestätigte ein Sprecher der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Die Aktie brach an der Franfurter Börse unterdessen weiter ein und fiel erstmals unter die Sechs-Euro-Marke.

France Télécom hatte am Dienstag die Zusammenarbeit mit der norddeutschen Telefonfirma aufgekündigt, was von Analysten als Schachzug im Machtkampf mit MobilCom-Chef Gerhard Schmid interpretiert wurde. Der MobilCom-Kurs sei allerdings noch vor der offiziellen Bekanntgabe des Ausstiegs der Franzosen um gut ein Drittel gefallen, sagte der Sprecher. Für die Börsenaufsicht sei dies routinemäßig ein Anlass, sich den Fall genauer anzuschauen.

Anteilsschein verliert 46 Prozent

Nach der Ankündigung hatte der Anteilsschein seine Talfahrt fortgesetzt und bis zum Abend 46 Prozent verloren. An der Börse hatten Gerüchte die Runde gemacht, der Pariser Konzern stoße seine MobilCom-Aktien ab. Dies hatte France Télécom, seit 2000 mit 28,5 Prozent beteiligt, jedoch dementiert. Sollte tatsächlich jemand vor der Bekanntgabe von der Entscheidung gewusst und daraufhin MobilCom-Aktien verkauft oder günstiger gekauft haben, wäre dies ein Insiderdelikt.

Das Magazin Telebörse berichtete, "eine Pariser Adresse" habe am frühen Dienstagnachmittag "in 30-Cent-Schritten massiv Aktien abgestoßen", sodass diese von 13,64 bis auf 8,60 Euro stürzten. Nach Angaben des Magazins schaltete MobilCom umgehend die Handelsüberwachungsstelle der Börse ein; danach erholte sich der Kurs zunächst auf 9,65 Euro.


Allzeittief

Als die Mitteilung aus Paris kam, gab die Aktie abermals stark nach, ehe sie am Abend vorübergehend vom Handel ausgesetzt wurde. Am Mittwoch brach der Kurs erneut um gut ein Sechstel ein und erreichte mit 5,80 Euro am frühen Nachmittag einen neuen historischen Tiefstand, weniger als ein Viertel des Jahreshochs von 26,85 Euro.

France Télécom und MobilCom liefern sich seit Wochen einen Schlagabtausch. Die Franzosen werfen Schmid Vertragsverletzungen vor und verlangen dessen Rücktritt. Nun kündigten sie auch das für den Betrieb eines deutschen UMTS-Netzes getroffene Abkommen vom März 2000 auf. Laut MobilCom gebe es dafür allerdings "keine rechtliche Basis".

Laut Wirtschaftswoche will France Télécom den Kurs drücken, um gemeinsam mit Banken MobilCom zum "Schnäppchenpreis" komplett zu übernehmen und Schmid herauszudrängen. (APA, Der Standard, Printausagabe, 13.06.2002)

Share if you care.